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Archive for March 2011

Bradley Manning: erwartet den britischen Staatsbürger die Todesstrafe in den USA? (Updated)

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[wn030] Bradley Manning, dem jungen Soldaten, dem unter Rückgriff auf die Aufzeichnung eines privaten Chat-Gesprächs die Weitergabe von Dokumenten an die Plattform Wikileaks vorgeworfen wird, droht mit den am 2.3. mitgeteilten und am Folgetag durch Nachrichtenagenturen wie AFP und dpa auch hierzulande einer breiteren Leserschaft bekannt gewordenen 22 neuen Anklagepunkten durch den sich darunter befindlichen Vorwurf einer Hilfeleistung für “den Feind” (zum Beispiel den durchschnittlichen Netzbesucher, der über Kriegsverbrechen anders denkt als das US-Militär) nunmehr offiziell die Todesstrafe.

Bislang kaum beachtet in den deutschsprachigen Medien ist ein auch in den jüngsten Agenturmeldungen vergessenes Detail, das der doppelten Staatsbürgerschaft Mannings. Neben der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft verfügt Manning durch Geburt auch über eine weitere – er ist britischer Staatsbürger (siehe hierzu u.a.: Guardian vom 1. Februar 2011, NewsFeed Time, Guardian, 2. März 2011). Auch wenn zunächst der Anwalt Mannings – nachvollziehbar in einem Land, dessen Atmosphäre der Sozialisierung  beispielsweise in Bildungsanstalten stellenweise durchaus nationalistische Züge trägt – diese Tatsache noch abwehrend behandelt hatte, mit Hinweis auf das “Amerikatum” seines Mandanten – so ist zu erwarten, dass England sich spätestens seit der offiziellen Erklärung der drohenden Todesstrafe einer Positionierung nicht mehr entziehen kann.  Einwohner werden derzeit im Netz aufgefordert, Parlamentsmitglieder direkt zu kontaktieren.

Unterdessen mehren sich alarmierende Berichte über die Behandlung Mannings im Militärgefängnis Quantico. Zusätzlich zur verschärften Einzelhaft – eine Form der Haft, die unter kritischen Psychologen als eine Form der Folter betrachtet wird – wurde kürzlich über weitere Massnahmen berichtet, die als  psychologische Folter bezeichnet nicht nur können, sondern müssen, wollen sich Medien nicht einer Hilfeleistung zur Folter auf dem Umwege über fragwürdige Euphemismen schuldig machen.  Das Militär erklärte sein Vorgehen mit einer – ärztlich unbestätigt gebliebenen – Selbstmordgefahr. Weithin bekannt wurde die jüngste Verschärfung, nachdem das Militär im Januar 2011 den anstehenden Besuch bei Bradley durch den Unterstützer David House verhindert hatte (siehe hierzu auch ein Interview mit Jane Hamsher von firedoglake auf msnbc).

Nur einen Tag nach Bekanntgabe der neuen Anklagepunkte wurde nun aktuell bekannt, dass an Manning weitere, erniedrigende Methoden psychologischer Folter praktiziert werden. So sei ihm kürzlich seine Kleidung vollständig weggenommen worden, er sei gezwungen gewesen, nach einer ganzen Nacht  ohne Kleidung am Morgen gänzlich nackt vor dem Inspekteur der Zelle zu stehen (siehe hierzu New York Times vom 3.3.Jeff Kaye auf firedoglake vom selbigen Tag, Guardian vom 4.3. Huffington Post 4.3.) Dies wurde in der Nacht auf den 4.3.2011 wiederholt. Die New York Times teilt am 4.3. mit, dass das Militär vorhabe, Manning von nun an jede Nacht ohne Kleider schlafen zu lassen. (Siehe hierzu auch Glenn Greenwald am 5.5.). Jane Hamsher beschreibt am 5.3. die Hintergründe.

Wer sich noch an die Folterbilder aus Abu Ghreib erinnert, sich der kürzlich revidierten Schließung Guantanamos entsinnt – oder wer sich zusätzlich dazu an die zur geschichtlichen Grundbildung des Kulturkreises gehörenden Bilder erinnert, dessen Sprache eben dieser Text verwendet, dem dürfte bewusst sein, wie begründet die Sorgen um die weitere Entwicklung sein dürften. Entgrenztes, dem Blick und der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogenes Wachpersonal ist zu erschreckend Vielem fähig.

Um jedoch aktuell zu bleiben und zu diesem neu angebrochenen Jahrhundert zurückzukehren, gilt diese begründete Sorge erst recht vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der der Hang zur Entgrenzung auch innerhalb des US-amerikanischen Militärs ein nicht auf Einzelfällen beruhendes Phänomen darstellt.

Zu den Dokumenten, deren Weitergabe Manning vorgeworfen wird, soll die Aufnahme des Apache-Kampfhuberschrauberangriffs gehören, deren Veröffentlichung unter dem Namen “Collateral Murder” sich Anfang April jähren wird.

Update Nacht vom 12. auf den 13.1.2012: Zur drohenden Todesstrafe gibt es eine Aktualisierung (Reuters US).

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-text in progress-

http://wp.me/psdI6-16q

Written by teeater

March 4, 2011 at 1:24 pm

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