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Demonstration gegen Thor-Steinar-Shop in Friedrichshain (7.März 2009)

with 6 comments

UPDATE 15.3.09: taz meldet heute kündigung des ladenraums, infos kommen, siehe link w.u. im verlinkungsbereich dieses beitrags.

[Berlin] Entgegen den Berichten anderer Medien (der Pressedienst der Polizei spricht von 750 Teilnehmern, de.indymedia  am 7.3. noch von 1000 Teilnehmern) haben am gestrigen Samstag, dem 7. März 2009,  mindestens 1500 Menschen an einer Demonstration gegen den vor einer Woche eröffneten Thor-Steinar-Shop “Tromsö” in der Petersburger Straße im Bezirk Friedrichshain protestiert. Die Veranstalter zählten 2000 Teilnehmer.

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Foto: Anna Panek

Teilnehmer berichten von Festnahmen am Ende der Veranstaltung, bei denen Polizisten körperliche Gewalt eingesetzt haben sollen. Eine Stellungnahme zur Begründung dieser Festnahmen liegt noch nicht vor. Details (genaue Uhrzeit und Ort der Festnahmen) sind ebenfalls noch keine bekannt. Reporter dieses Mediums, die bis kurz nach 16 Uhr – also ca. 10 Minuten über die Auflösung der Demonstration hinaus – vor Ort (am Ort der Schlußkundgebung, also vor dem abgesperrten Laden) waren, haben keine Festnahmen beobachtet. (Über die Ergänzungsfunktion auf de.indymedia jedoch wird jedoch am 08.03.2009 um 18:21h eine Mitteilung mit ersten Details zu diesen Festnahmen gemacht, wir kopieren und platzieren diese Meldung an den unteren Abschnitt dieses Beitrags. Nach Angaben der Polizei haben derzeit 12 Demonstrationsteilnehmer mit der Kriminalisierung ihres Protestes zu rechnen.)

Der Protest richtet sich gegen die einschlägig bekannte Thor-Steinar-Ladenkette, die der finanziellen Rückendeckung der deutschen Neonazi-Szene dient. Bereits wenige Tage nach der ersten Demonstration gegen die Eröffnung des Ladens am 28.2. teilte der Bürgermeister der norwegischen Stadt Tromsö mit, daß er sich die Nutzbarmachung des Stadtnamens durch deutsche Nazis verbitte. Gerichtliche Schritte gegen die Namensgebung werden in Norwegen derzeit erwogen (siehe dazu taz-link weiter unten).

Die Demonstration selbst begann mit leichter Verspätung in der Nähe des S-Bahnhofs Warschauer Straße. Möglicherweise ist der Zählfehler der Berliner Polizei darauf zurückzuführen, daß die Zahlen vom Beginn der Demonstration durchgegeben wurden. Da jedoch die Polizei selbst die Verschiebung der Demonstration um ca. eine Viertelstunde offiziell gemacht hatte, als sie die Absperrung der Demonstrationsroute um 16h vorübergehend aufhob, bis die Auftaktkundgebung beginnen konnte, kann der Zählfehler bei allem besten Willen nicht als geklärt bezeichnet werden.

Anmelderin der Demonstration war die Frauenpolitische Sprecherin der SPD, Canan Bayram, deren Auftaktrede weiter unten zu lesen ist . Organisiert wurde die vom Bezirksbürgermeister, Franz Schulz (Grüne) unterstützte Demonstration mit tatkräftiger Unterstützung des UBI KLiZ e. V.-Mieterladens, der Antifa Friedrichshain sowie des Vereins Clof e.v. (< der falsch bearbeitete, nur für kurze zeit dort sichtbare text – eine außenanfrage der polizeigewerkskschaft, die wegen winnenden versehentlich am 12.3. auf der clof-hauptseite gelandet war, ist am 13.3. korrigiert worden. netzwerk bittet um entschuldigung.).

Knapp eine Woche nach der ersten Demonstration gegen den neu eröffneten Laden, zu der Nachbarschaftsinitiativen und die Friedrichshainer Grünen aufgerufen hatten und bei der die Teilnehmerzahl zu früher Morgenstunde noch ca. 250 betragen hatte – hat sich der Potest mithin zahlenmäßig sichtbar versechsfacht. Wir sprechen hier mithin über eine Steigerungsrate von 500 Prozent, nicht unerheblich, wenn die Überlebenschancen des Tromsö-Shops realistisch gezeichnet werden wollen. Natürlich wird jedoch mit endgültigen einem Erfolg der Demonstranten nur zu rechnen sein, wenn genügend Puste auch für die Folgeproteste übrig bleibt.

Gelegenheit dazu gibt es bereits am kommenden Samstag, dem 14. März, an dem gleich zwei größere Protestveranstaltungen in Berlin geplant sind. Informiert wurde darüber detailliert bei der Schlußkundgebung, die vor dem polizeilich dicht abgesperrten Laden stattgefunden hatte.

Für 9 Uhr wird am 14.3.09 zu Protesten gegen den NPD-Landesparteitag eingeladen, Nähe S-Bahnhof Lankwitz (siehe auch “Antifa-Demonstration: Samstag 14. März –  Gallwitzallee / Frobenstraße Nähe S-Bahnhof Lankwitz (S 25)” quelle:  antifa.de/content1031 – sowie die Informationen der u.a. Redebeiträge). UPDATE: KORREKTUR – IN LANKWITZ FINDET HEUTE KEIN LANDESPARTEITAG STATT –  ZEITLICH UND ÖRTLICH VERSCHOBEN NACH KÖPENICK (quelle: radio eins am 14.3. um 7:30h) – siehe antifa-newsupdate dazu – die NPD will den Landesparteitag trotzdem am selben Tag abhalten, aber, verschoben auf 12 Uhr, in Köpenick: “Gegenkundgebungen 12 Uhr Mandrellaplatz und Seelenbinderstraße Ecke Weinbergstraße. Aktuelle Ankündigungen auf der Sonderseite” – siehe auch: antifa pankow und die taz dazu (quelle. alle hier genannten weiteren quellen auf der verlinkten seite zu finden). Geplant war, nach  der 9-Uhr-Demonstration gleich weiter zur Freiräumedemo zu ziehen, die um 15 Uhr am Herrmannplatz beginnt (siehe auch koepinews und unitedwestay – vorsicht: der unitedwestay-bloq meldet alle paar stunden einen “serverfehler”, dort gelegentlich vorbeiklicken, ab und an öffnet er zwischendurch immer wieder mal).

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[Detilas folgen, dieser Beitrag wird in den nächsten Stunden und Tagen weiterwachsen.]

Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. (Bei Versuchen, die Kommentarfunktion für rechte Kreise zu mißbrauchen sollte bedacht werden, daß alle hier gegebenen Kommentare sichtbar gemacht werden. Verlinkung zu fragwürdigen Seiten wird gestrichen. Entsprechende Kommentare, die der rechten Szene zuzuordnen sind, sollten schon vorab damit rechnen, daß sie mit verbal schlagkräftigen Gegenkommentaren zu rechnen haben. Kurzum: versucht es lieber woanders, hier hab ihr keine Chance.)

Links.

1.) Über die Reaktion aus der Stadt Tromsö zum Mißbrauch ihres Stadtnamens durch deutsche Neonazis hat u.a. die Taz am 6.3. 2009 berichtet.

2.) Am Abend des 8.3. erreicht uns vom MieterLaden per Direktmail die Information, daß ein Beitrag zur Demo auf gegenrechts.wordpress.com erschienen ist. Verlinkung hiermit.

3.)  da de.indymedia am abend des 8.3.09 eine der leider zu häufigen moderatorenbedingten fehlfunktionen aufweist, an dieser stelle ein anderer indymedia-link.- nachtrag 9.3.: ein zuvor vermißter beitrag vom abend des 8.3. hat sich am 9.3. mit – schwer nachvollziehbarer – verspätung (aber immerhin) auf de.indy eingefunden. hier also die nun nachtragbaren rückverlinkungen: de.indylink1 , de.indylink2 (vom 7.3.) und de.indylink3.

4.) obligatorische rückverlinkung zur regisitrierungsseite eines fotoportals: f l i c k r .com/ – die rückverlinkung ist notwendig, damit eine über die kommentarfunktion mögliche quervernetzung von den flickr-admins nicht gelöscht wird. wenn allerdings fotos dieses portals gezielt verlinkt werden sollen, müssen das die fotoautoren selber machen, die meisten fotografen kennen ihre präferierten motive. genau dafür ist die kommentarfunktion da. bei postings von aufnahmen, die wir hierfür als geeignet erachten, integrieren wir diese in beiträge,  sie verlinken dann zu der online-galerie des fotografen direkt.

5.) berlinnow.wordpress.com

6.) daniel? hi. auch der link zu deinem ladenbeitrag vom 2. märz kann erst nach der rückverlinkung hier erscheinen. (sobald du penn-nase dich mal wieder um deine seite kümmerst.)

7.) medienkritik: interessant an einem am 7.3. veröffentlichten beitrag in der berliner morgenpost ist, daß nach dem kenntnisstand der dortigen bildredaktion der besagte laden noch gar nicht eröffnet haben kann. so heißt es in der bildunterschrift – wohlgemerkt eine ganze woche nach der ladeneröffnung -: “In Friedrichshain soll eine Boutique der Marke “Thor Steinar” eröffnet werden.” – unsere empfehlung: lest ein bißchen genauer oder geht mal vor ort recherchieren – ist nebenbei sehr gesund bei zuviel redaktions-stehluft – – – pardon. sitzluft.

8.) werbelinks. berichterstattung wurde u.a. möglich gemacht durch die zeitig platzierten hinweise auf diese demonstration auf wikibildung. aber auch eine seite, die sich der globalen vernetzung studentischen protests widmet, weist schon seit geraumer weile auf den 14.3. hin.

9.) vorbereitend auf den 14.3. – und generell sehenswert für alle am thema interessierten – eine linkauswahl von panorama zum thema NPD, staatsschutz als verbots-stopper – und zum redeschwingenden – äh – “partei”-“chef”.

direktlink zu ausschnitt dokumentierte rede des NPD-“fraktions”-“chefs” – hier ist nur die rede dokumentiert. der ganze beitrag selbst war spannender – kameraschwenk in den saal. ein paar gesichter.

–  panorama zu NPD link2

–  panorama zu NPD link3

panorama  zu nazis im staatsdienst –direktlink zum video “nazis im staatsdienst” (<- ts… “sie riskieren ihr leben, um sich den nazis in den weg zu stellen”: hier bastelt panorama ein paar sekunden lang kräftig an der beamtenährä: der polizist als antifa. nun gut. scherz beiseite.) – was sollte das werden, panorama? “wenn träume medienware werden?” oder das “pflichtsendewort zum *freien-fernsehen-nicht-staatsfernsehen-sonntag?”)  aber bis auf diesen stolperer ist der beitrag sehenswert.

-panorama nebenbei auch zu kaum verfolgter polizeigewalt:  der beitrag dazu als pdfals htmlund der direkteinblick in eine zelle. polizeigewalt im “dienst” .

10.) UPDATELINK 15.3. radio fritz und taz melden heute kündigung des ladenraums LINK HIER.

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– ERGÄNZUNGEN. (ab hier kein copyright)


Details zu den Festnahmen am Ende der Demonstration:

Solikundgebung vor der JVA Moabit?

Moabiter 08.03.2009 – 18:21- Gibts in den nächsten Tagen ne Soliaktion?

Pressemeldung
Eingabe: 08.03.2009 – 17:50 Uhr
Flaschenwerfer erhielt Haftbefehl
Friedrichshain-Kreuzberg

# 0656

Ein 26-jähriger Mann wurde heute wegen besonders schwerem Landfriedensbruch einem Bereitschaftrichter vorgeführt und erhielt Haftbefehl. Der Mann hatte gestern an einem Aufzug mit dem Thema „Kein Thor-Steinar-Laden in Friedrichshain und nirgendwo“ teilgenommen.
Der Aufzug begann mit zirka 400 Teilnehmern gegen 14 Uhr 40 in der Revaler Straße mit einer Auftaktkundgebung und zog anschließend mit bis zu 750 Personen zur Petersburger Straße. Dort wurde die weitgehend störungsfreie Demonstration durch die Veranstalterin gegen 15 Uhr 50 beendet. Im Anschluss der Versammlung kam es zu vereinzelten Störaktionen und Straftaten von ehemaligen Versammlungsteilnehmern. Insgesamt sind zwölf Strafermittlungsverfahren u.a. wegen des Verstoßes des Versammlungsgesetzes, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, schwerem Landfriedensbruch und Beleidigung eingeleitet worden. Sechs Personen wurden vorläufig festgenommen.
Den 26-jährigen Pankower nahmen Polizeibeamte fest, nachdem er in der Petersburger Straße gegen 16 Uhr 40 eine Bierflasche in Richtung der Beamten geworfen hatte. Verletzt wurde niemand.

Fragen hierzu:

1. Wann gedenkt die Berliner Polizei ihre Falschangaben zur Teilnehmerzahl zu korrigieren. Die Demonstration hatte auf ihrem Höhepunkt mindestens 1500 Teilnehmer, die Veranstalter zählten 2000.

2. Wieviele Beamte genau stürzten sich auf einen einzigen Menschen.

3. Dies mit Einsatz welcher körperlichen Gewalt.

4. Dies – mit voller Montur (die genaue Ausrüstung der Polizei bei solchen Einsätzen ist der Redaktion bekannt, die Schutzkleidung der Polizei ist nebenbei kein Geheimnis), also Wiederholung:L dies mit dem Einsatz welcher körperlichen Gewalt gegen einen Menschen a) OHNE Helm, b) OHNE die erwähnte Schutzkleidung, 3) OHNE Schlagstock und 4) OHNE Mundschutz (Auswahl der nötigen Stringenz halber gekürzt, sie ließe sich lange fortführen).

5.) “zwölf Strafermittlungsverfahren…” An alle Betroffenen ergeht an dieser Stelle der dringende Hinweis, sich spätestens nächsten Mittwoch abend bei der Roten Hilfe einzufinden. Hier die Uhrzeit und Ortsangabe der wöchentlichen Beratungen.

dazu postet am 10.3. auch der ermittlungsausschuß im mehringhof:

Betroffene von Festnahmen

10.03.2009 – 00:00

Betroffene von Festnahmen und polizeilichen Übergriffen sollten sich melden beim:

Berliner Ermittlungsausschuß (EA-Berlin)
Gneisenaustr. 2a
2. Hof
U-Bahn Meringdamm
Persönliche Beratung jeden Dienstag zwischen 20:00 – 22:00
Tel: 03. – 692 22 22

was natürlich stimmt: das ist (für leute, die noch nicht bei allzu vielen demos teilgenommen haben, wichtig) – immer eure erste anlaufadresse. dort meldet ihr euch, wenn ihr nach einer festnahme und evtl. erkennungsdienstlicher behandlung oder ggf. längerer festsetzung wieder freigelassen werdet. trotzdem: ein möglichst früher kontakt zur roten hilfe ist nötig, holt euch rat, bringt in erfahrung, wie und welche hilfe ihr erwarten könnt, sobald der erste relevante brief bei euch eintrifft (also nicht die vorladung, die dürft ihr ignorieren. wichtig sind a) entweder der strafbefehl, wenn der richter es eilig hatte oder b) die zustellung des gerichtstermins. ihr solltet schon vor eintreffen der schreiben die nächsten schritte kennen, daher weiterhin:  nach der kontaktaufnahme mit dem EA ab mit euch am mittwoch zur roten hilfe. nicht aufschieben!)

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zugesandte Dokumente:

wer die Redebeiträge der Demonstration vom 7.3.09 in Ruhe nochmal nachlesen möchte, kann das hier tun:

Liebe Anwohner und Passanten,
dies hier ist eine Demonstration gegen den neuen Thor-Steinar Laden Tromso in der Petersburgerstr. 94.

Die Modemarke Thor-Steinar transportiert rechtsextreme Ideologien und ist
fester Bestandteil rechtsextremen Lifestyles. Durch Läden wie dem Tromso, der am letzen Wochenende eröffnete, wird versucht, rechtsextremen Lifestyle bis weit in den gesellschaftlichen Mainstream hinein zu verankern. Dieser rechtsextremen „Normalisierungsstrategie“ können wir nur entgegenwirken, wenn wir gemeinsam mit Anwohner/innen, antifaschistischen Initiativen, Bezirksverwaltung, Gewerbetreibenden und Projekten aktiv werden. Auch die Vermieter des Hauses in der Petersburgerstr. 94 sind mittlerweile informiert und bemühen sich den Mietvertrag mit Thor-Steinar wieder zu lösen. Heute machen wir eine Demo und wir haben noch viel mehr in Planung. Bisher hat sich dieser Bezirk noch nicht an den neuen Nazi-Mode-Laden gewöhnt. An uns ist es, dass dies auch in Zukunft nicht geschieht. Reihen sie sich ein in den Protest gegen die Normalität rechter Straßengewalt. Gegen Thor Steinar und dessen Klientel. Gegen Neonazis und ihre Symbole. Für Vielfalt statt Einfalt!

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Verlesen worden bei: Auftaktkundgebung Warschauer Ecke Revaler

Hintergründe zur Marke Thor-Steinar und deren Ladengeschäften

Seit 2002 gibt es die bei Rechten beliebte Modemarke Thor Steinar. Produziert wird sie in Königs-Wusterhausen von der Firma Protex. Sie setzt auf mehrdeutige Aufdrucke, die einen Hang zu völkischen Symbolen, wie zum Beispiel Runenkombinationen, haben. Aber auch Waffen der Wehrmacht, Bezüge zum Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs, zur deutschen Kolonialgeschichte und markigen Sprüchen wie z.B. „Wir machen auch Hausbesuche“ sind auf den hochwertigen Pullovern, Jacken und anderen Outdoor-Klamotten. Der politisch klare Bezug des alten Runen-Logos zum Nationalsozialismus hat durch ein zeitweises Verbot in Brandenburg, Berlin und Tschechien zumindest in der Öffentlichkeit für die Entlarvung der Marke als rechtsoffen gesorgt. Mittlerweile ist das Logo aber wieder überall erlaubt. Der Bezug zum deutschen Militarismus und Nazismus kommt in weiten Kreisen an. Sehr schnell wurde die Marke nicht nur bei offen agierenden Neonazis populär, auch in der Türsteher-Szene und im rechten Fußball-Hooligan-Milieu ist die Marke leider Einheitslook.

Vertrieben wird Thor-Steinar sowohl über eindeutige Neonazi-Versände und Läden wie beispielsweise dem Berliner „Harakiri“ in Prenzlauerberg. Aber auch in einigen Lifestyle Geschäften, beispielsweise in den drei „Doorbreaker“ Filialen im Lindencenter, in Köpenik und im Friedrichshainer Ringcenter kann die Marke erworben werden. Es gibt aber auch Läden die das finanzielle Potential erkannt haben und ausschließlich Thor Steinar bzw. lediglich noch die Kleidung des Thor-Steinar Konkurrenten „Eric & Sons“ im Angebot haben. Hier ist der Laden „Nordic Company – Textilwaren“ in Frankfurt a.d. Oder und der Laden „Rodberg“ in Dessau zu nennen. Seit Ende 2005 verfügt Protex auch über eigene Geschäfte die ausschließlich Thor Steinar verkaufen.

Das erste eigene Ladengeschäft des Firmennetzwerks um Thor Steinar wurde
der „Tønsberg“ im Berlin-Carré am Berliner Alexander Platz, dieser wurde ohne Aufmerksamkeit zu erregen im September 2005 eröffnet. Anfang 2008 musste der Laden schließen, nachdem der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Im Februar öffnete in der Rosa-Luxemburg-Straße schon der nächste „Tønsberg“. Diesmal allerdings nicht ohne antifaschistischen Protest, der auch immer noch anhält. Im August 2006 kam der Dresdner „Tønsberg“ dazu. Auch dieses Geschäft musste nach Protesten dann im Juli 2008 wieder schließen. Nur einen Monat später eröffnete der Laden „Larvik“, der ebenfalls vom Dresdner Ladenschluss-Bündnis angegangen wird. Die nächste Ladeneröffnung war dann in Magdeburg, im Juli 2007 eröffnete der Laden „Narvik“. Auch hier gab es antifaschistische Proteste und der Laden musste Ende 2008 schließen, bekam aber eine nicht unerhebliche Entschädigungszahlung von dem Vermieter. Ein neuer Laden eröffnete im Januar. Ab September 2007 gab es dann auch in Leipzig einen Laden mit dem Namen „Tønsberg“. Hier gab es schon am Abend vor der Eröffnung erste Aktionen gegen das Geschäfft. Drei Monate später wurde vom Vermieter Räumungsklage gegen die unliebsamen Mieter eingereicht, welche aber noch nicht mit einem rechtskräftigen Urteil endete. Eine schnelle Schließung hatten auch die Aktivisten in Hamburg zum Ziel nachdem im September 2008 der Laden „Brevik“ eröffnete. Und es gelang ihnen innerhalb von nur 36 Tagen den Laden wieder zu vertreiben. Und das
ging so: Das Hamburger Bündnis gegen Rechts veranstaltete jeden Tag eine Kundgebung vor den Passagen. Diese wurde in diesem Zeitraum ständig von Polizeibeamten belagert, um den Laden zu schützen, was aber den normalen
Geschäften einen Umsatzrückgang bescherte. Dies war auf Dauer nicht machbar, und so musste der Laden am Ende Oktober letzten Jahres wieder schliessen. Im November 2008 eröffnete wieder ein Laden mit dem Namen „Tønsberg“, diesmal in Nürnberg . Auch hier wurde nach nur knapp drei Wochen der Mietvertrag gekündigt weil sich die Vermieter von den Geschäftsinhabern getäuscht sahen. Aber auch in Nürnberg steht noch eine rechtskräftige Entscheidung aus. Ein ganz neuer Laden unter dem Namen „Trondheim“ wurde im Januar diesen Jahres in Erfurt eröffnet. Auch hier regt sich Protest.

Die Erfolgsgeschichten der Kampagnen gegen die Thor-Steinar-Läden zeigen,
dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ein Unternehmen, das auf Gewinne  hofft schadet man besten indem die Geschäftsidee durch Ladenschließungen und Imageschaden zu einem schlechten Geschäft wird. Auch Friedrichshain wehrt sich gegen Thor-Steinar und rechten Mainstream! Keine Geschäfte mit Neonazis!

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Verlesen worden bei: Auftakt-Kundgebung (Warschauerstr. Ecke Revaler)

Redebeitrag Registerstelle Friedrichshain

Auf der Straße sind wir heute um für die Schließung des am 28.02. eröffneten Thor-Steinar-Outlet-Stores „Tromsö“ in der Petersburger Str. 94 zu demonstrieren. Kein Neonaziaufmarsch, kein Rechtsrockkonzert auf dem nicht eine große Zahl von Thor-Steinar-Träger_innen anzutreffen ist. Und genau diese sind es auch, die für eine Vielzahl der Übergriffe und Bedrohungen, auch in Friedrichshain, verantwortlich zu machen sind. Gerade im, am Wochenende sehr belebten Berliner Stadtteil Friedrichshain, begegnen einem immer wieder Personen, die sich hier mehr oder weniger offen mit neonazistischen Symboliken bewegen. Gerade die Bekleidung von Thor Steinar fällt durch ihre verklausulierte NS-Symbolik vielen nicht immer gleich auf. Hiermit wird eine Normalisierungsstrategie gefahren, die es Menschen mit einem extrem rechten Weltbild ermöglicht, ihre Gesinnung nach aussen zu tragen, ohne gleich auf Widerstand zu treffen. Dass dies Gefahren birgt, zeigt die hohe Zahl von Übergriffen und Bedrohungen in Friedrichshain. Immer wieder werden  Migrant_innen, alternative Jugendliche, Schwule und Lesben oder Obdachlose, nicht nur bepöbelt und bedroht, sondern häufig auch durch Übergriffe zum Teil schwer verletzt. Die Zahlen sprechen für sich. Gerade die Verkehrsknotenpunkte Ostkreuz, Frankfurter Allee und Warschauer Str. sind die Orte in Friedrichshain, an denen immer wieder neonazistische Propaganda, in Form von Flyern oder Aufklebern auftaucht und die meisten Übergriffe stattfinden. Zuletzt wurde am 6. Januar ein Punk von drei Neonazis am Ostkreuz so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er für mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Doch ist dies nur die Spitze des Eisberges. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund sind mit vielfältigsten Ausgrenzungs- und Bedrohungssituationen konfrontiert. Diese reichen von verbalen Anpöbeleien junger Frauen mit Kopftuch oder Menschen mit dunkler Hautfarbe, bis hin zu feindlichen Blicken oder Anspucken von Nicht-Deutschen. Diese Verhaltensweisen sind, und darüber sollten wir uns klar sein, über die Neonaziszene hinaus in der Gesellschaft anzutreffen. Um solche Ereignisse nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen, sondern sie öffentlich zu thematisieren und, nicht nur konkrete Hilfestellung für Betroffene anzubieten, sondern darüber hinaus, Netzwerke im Stadtteil zu schaffen, die Widerstand gegen diese Gefahren leisten und organisieren, hat das Register zur Erfassung rassistischer, extrem rechter, antisemitischer und homophober Übergriffe und Vorfälle,  nun ab März endlich auch in Berlin-Friedrichshain seine Arbeit aufgenommen. Mittel wurden dafür, wie schon inTreptow-Köpenick, Lichtenberg-Hohenschönhausen und Pankow vom Lokalen Aktionsplan Friedrichshain-Kreuzberg zur Verfügung gestellt. Die Aufgaben der Registerstelle gehen, wie schon angedeutet, über das reine Erfassen und Auswerten eben beschriebener Übergriffe und Vorfälle hinaus. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt eben auch auf der Unterstützung und Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements. Das heißt ganz konkret: Wir gehen zu Bürgerinitiativen, Vereinen, Anlauf- und Beratungsstellen für Migrant_innen oder Personen mit Migrationshintergrund und nehmen Kontakt auf, vernetzen die Initiativen und Organisationen, veranstalten Seminare und leiten Informationen weiter. Ganz wichtig an unserer Arbeit wird die Möglichkeit zu Kontaktaufnahme sein. Dazu werden Anlaufstellen im Stadtteil initiiert, denn gerade für Betroffene von Übergriffen oder auch Personen, die etwas beobachtet haben, ist es wichtig, das persönlich zu erzählen und los zu werden. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit uns telefonisch oder per Mail zu erreichen. Für manche sind das aber Hürden und der persönliche Kontakt ist bei diesen, teilweise sehr traumatischen, Erfahrungen wichtig. Dort können wir den Leuten auch erklären, wo sie, wenn gewünscht, anwaltliche Hilfe oder weitergehende Beratung als Betroffene bekommen. Ein anderer zentraler Faktor bei den Anlaufstellen ist ihre Funktion als Multiplikatoren. Das heißt wir veröffentlichen unsere Erkenntnisse und tragen diese an eine breite Öffentlichkeit. Bei Übergriffen ist es wichtig Licht ins Dunkel zu bringen. Darüber erwarten wir uns zudem eine Sensibilisierung der Bewohner_innen in Friedrichshain, über das Vorhandensein extrem rechter Einstellungen und daraus erwachsener Aktivitäten im Stadtteil. Im besten Fall werden dann die Anwohner_innen im Kiez selbstständig aktiv. Um hier eine weitere Hilfestellung zu bieten, organisieren wir Veranstaltungen und stellen Informationsmaterial zur Verfügung.

Es ist zu erwarten, dass durch die Registerstelle noch mehr Übergriffe aufgedeckt werden als bisher. Und das bedeutet, dass wir eine Verantwortung haben, zu handeln und aktiv zu werden. Die Registerstelle wird dazu einen Beitrag leisten, das der Bezirk Friedrichshain nicht zu einem Angstraum für alternative Jugendliche, Migrant_innen, Schwule und Lesben wird.

Das Büro der Registerstelle Friedrichshain befindet sich im Mieterladen in der Kreutzigerstr. 23.

Jeden Dienstag von 16-20 Uhr ist das Büro für Sprechzeiten geöffnet.

Telefonisch sind wir während der Sprechzeit unter 030-74078831 oder rund um die Uhr unter 01577-7369942 zu erreichen.

Aktuelle Veröffentlichungen und die fortlaufende Chronik gibt es unter www.register-friedrichshain.de

UPDATE! der genau so angegebene link (per print / flugblätter bei der demo sowie digital per zusendung der dokumente) ist möglicherweise FALSCH, derzeit jedenfalls führt er zu einer nicht existenten seite. wir arbeiten gerade daran, den richtigen link für euch zu organisieren, habt ein wenig geduld. wir versuchen herauszufinden, ob die seite noch nicht installiert ist oder ob es sich um einen (dann aber bißchen fatalen) tippfehler handelt. sobald wir was wissen, steht´s hier an dieser stelle.

Update. Der angegebene link ist zwar soweit richtig und bleibt deshalb auf dieser seite genau so stehen, die registerstelle bittet euch jedoch um ein wenig geduld, da die seite erst in den nächsten tagen freigeschaltet wird. Bitte versucht es gegen ende der woche nochmal, ungefähr zu diesem zeitpunkt wird mit der freischaltung gerechnet (um den 14.3. herum, vielleicht klappt’s auch schon am freitag vor der kommenden demo).

Die hier weiter unten (auch während der demo) angegebene mailadresse jedoch ist falsch:

Per e-mail kann man die Registerstelle unter
http://www.register-friedrichshain@web.de kontaktieren.

per mail kontaktieren könnt ihr die registerstelle ab dem zeitpunkt der seitenfreischaltung über die adresse kontakt@register-friedrichshain.de

in der zwischenzeit funktioniert bereits die mailadresse register-friedrichshain@web.de, sie ist bestätigt.

im übrigen erhalten wir in der nacht zum 10.3. die information, daß die seite evtl. schon morgen freigeschaltet wird, was dann der mittwoch wäre – ab hier endet unser rechercheservice, wir bleiben gespannt und lassen uns einfach mal alle in den nächsten tagen überraschen. (“klick!”)

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Verlesen worden bei: Auftaktkundgebung oder Abschlusskundgebung

Eine kurze Geschichte der Initiative Gegen Rechts Friedrichshain

Im Januar 2006 haben wir uns als Nachbarschaftsinitiative das erste Mal getroffen. Eingeladen wurde per Flyer und Mail. Gekommen sind lauter Initiativen, Vereine, Parteien, Leute aus dem Bezirksamt, Antifas und AnwohnerInnen. Wir wollten gemeinsam, trotz der gegensätzlichen Positionen, die wir in vielen anderen Bereichen haben, die rechten Übergriffe verhindern. Irgendwann ist uns aufgefallen, dass es nicht allein die Nazis sind, die dafür sorgen, dass rassistische Angriffe stattfinden. Es ist eine Normalität des Desinteresses, ein Klima des Tolerierens von rechten Meinungen, was in Friedrichshain alltäglich ist und was angegangen werden muss. Also haben wir Informationsflyer produziert, die nicht gegen die Nazis gerichtet waren, sondern eher die Friedrichshainer Bevölkerung dazu befähigen sollten selbst gegen Rechts aktiv zu werden. Es ging vor allem darum, Nazis und ihre Ideologie im Alltag erkennen und einordnen zu können und den Leuten Optionen, aktiv zu werden, an die Hand zu geben. Wir als kleiner Haufen können, auch zusammen mit den wenigen noch verbliebenen linken Projekten, die Nazis nicht zurückdrängen und die Angriffe verhindern. Dass es die Polizei auch nicht schafft, hat sie mehrfach bewiesen. Hier ist also das Wohnumfeld gefragt, dass sich kontinuierlich gegen rechts positionieren und dementsprechend einschreiten muss. Doch das ist nur die eine Seite unseres Ansatzes, schließlich werden weiterhin Leute von Nazis durch Friedrichshains Straßen gejagt und angepöbelt. Was ist mit den Betroffenen? Die wollten wir mit den Problemen nicht alleine lassen und haben zusammen mit der Opferberatungsstelle Reachout eine wöchentliche Beratung für Betroffene rechter Gewalt in Friedrichshain eingerichtet. Darüber erfuhren wir mehr über die Wirkung von alltäglichem Rassismus und dass die Gewalt der Nazis nur die Spitze des Eisbergs sind. Aufgrund der vielen Diskussionen, die wir auf unseren etlichen Treffen geführt haben, war es möglich auch gemeinsam aktiv zu werden. Wir gingen auf die verschiedenen Straßenfeste in Friedrichshain und machten Informationsstände, schrieben Briefe an Hausverwaltungen von rechten Kneipen, führten Projekttage in Schulen durch und betrieben regen Austausch mit anderen Bezirken.

Genug des Eigenlobs.

Entscheidend ist an dieser kurzen Geschichte, dass Vernetzung und Organisierung nötig sind, um was auf die Beine zu stellen. Diskussionen mit Leuten die unterschiedliche Ansichten und verschiedene Politikformen haben sind nötig, um neues zu erfahren und sich weiterzuentwickeln. Eine Demo ist beispielsweise nicht jedermanns Sache, genauso wenig wie Briefe an Hausverwaltungen das Herz von autonomen Antifaschisten höher schlagen lassen. Wichtig ist nur, dass alle nach ihren Fähigkeiten gegen Rechts agieren. Dazu braucht es nicht viel Struktur, aber zumindest Vernetzung.Die nächsten Projekte drehen sich natürlich um den Thor-Steinar-Laden. Am 21. März wollen wir mit euch zusammen wieder eine Kiezparade durchführen und dem Tromso zeigen wie unterschiedlich aber dennoch solidarisch Friedrichshain gegen Nazis sein kann.

Die Initiative gegen Rechts trifft sich regulär jeden 1. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Mieterladen (Kreutzigerstr. 23).

Infos unter initiative-gegen-rechts.de

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Verlesen worden bei: Entweder Auftaktkundgebung, Zwischenkundgebung oder bis zum Frankfurter Tor

NPD plant ihren Landes- und Bundesparteitag demnächst in Berlin

Die größte Struktur der extremen Rechten in Deutschland ist die NPD. Heute Vormittag führte die Partei mehrere Propaganda-Stände in der  ichtenberger
Weitlingstraße und vor dem Hohenschönhausener Lindencenter durch. Eigentlich keine große Sache, denn Parteien machen sowas öfters. Gerade jetzt wo die Europawahl im Juni und die Bundestagswahl im September anstehen. Trotzdem bzw. gerade weil sich die NPD als ganz normae Partei unter vielen darstellt gab es Proteste von Anwohnern gegen die Stände. Mülltüten wurden bereit gehalten, die Nazi-Propaganda eingesammelt und entfernt. Doch wie steht es eigentlich gerade um die NPD und um die Notwendigkeit des Protests gegen sie? Laut Presseberichten haben sich die Kreisverbände Marzahn/Hellersdorf und Tempelhof/Schöneberg fast vollständig aus der Partei entfernt und dem obskuren Verein Freies Nationales Bündnis e.V. angeschlossen. Die Gründe hierfür sind Machtkämpfe innerhalb der Berliner NPD bzw. unter den wenigen aktiven Kadern, die sich gegenseitig untaktische Politik vorwerfen. Der Verfassungsschutz Berlin macht die permanente Akademikerknappheit innerhalb der NPD für das Chaos verantwortlich. Die wenigen Leute, die bei der NPD denken können, sind Multifunktionäre, heillos überlastet und machtgeil mit es blutet. Auf Bundesebene sieht es nicht besser aus. Die Zeiten des jetzigen Vorsitzenden Udo Voigt sind gezählt. Der Machtstreit hat hier wegen Korruptionsvorwürfen begonnen und wird spätestens auf dem Bundesparteitag der Partei am 4. April in Berlin-Reinickendorf entschieden. Auch der Landesverband Berlin will sich schon am 14. März, also nächstes Wochenende in Berlin-Lankwitz treffen und über die internen Probleme reden. Trotz der inneren Grabenkämpfe ist die NPD immer noch die zentrale
Organisation der extremen Rechten in Deutschland. Sie schafft es  zunehmend ihre nationalsozialistischen Positionen in der Gesellschaft als eine Meinung unter vielen in der politischen Auseinandersetzung zu präsentieren. Und dies, obwohl sie sich positiv auf den Nationalsozialismus bezieht, seine Verbrechen leugnet, relativiert und offen gegen alle Minderheiten hetzt. Als Partei stehen der NPD umfangreiche staatliche Gelder wie Wahlkampfkostenerstattung und Parlamentariergelder zur Verfügung; sie kann öffentliche Räumlichkeiten nutzen und Parteivermögen mehren. Die NPD hat nicht nur Abgeordnete in drei Berliner Bezirksverordnetenversammlungen sitzen, sondern darüber hinaus auch ihre Bundesparteizentrale in der Seelenbinderstraße in Köpenick. Hier werden bundesweit relevante Veranstlatungen geplant und Führungskader geschult. Die NPD bleibt, gerade aufgrund ihres Parteienstatus, eine zentrale Strukturgeberin der neonazistischen Szene.
Widerstand gegen diese Organisation ist keine Wahl, sie ist Pflicht für uns alle, die wir heute hier gegen Neonazi-Lifestyle demonstrieren. Und tatsächlich bieten die aktuellen Versuche der NPD ihre desolate Struktur wieder herzustellen die Chance das Boot jetzt endgültig zum Kentern zu bringen. Stellt euch vor, was es für die NPD bedeutet würde, wenn sie Landes- und Bundesparteitag durch antifaschistischen Protest, durch das Verweigern der Räumlichkeiten durch die Bezirke Lankwitz und Reinickendorf, nicht durchführen könnten. Gerade deshalb wird zu diesen beiden Ereignissen vom Antifa-Bündnis „Zusammen Gegen die NPD“ breit mobilisiert.
Die Antifa-Proteste am 14. März gegen den NPD-Landesparteitag sind erst ein Anfang. Die Etappe führt geradewegs zum Bundesparteitag am 4. April über den angekündigten NPD-Aufmarsch am 1. Mai in Köpenick, bis zur Bundestagswahl im September. Nach 45 Jahren NPD-Parteigeschichte muss  nun endlich Schluss sein mit der Nazi-Partei!

Antifa-Demo gegen den Landesparteitag in Berlin-Lankwitz
Nächsten Samstag, (= 14. März 2009) 9 Uhr, Gallwitzalle/Ecke Frobenstr. (nahe S-Bhf Lankwitz) (von dort kann man gemeinsam zur Freiräumedemo – ebenfalls am 14.3. – um 15h am Herrmannplatz)

Zur Vorbereitung der Proteste gegen den Bundesparteitag wird eine Antifa-Vollversammlung am Freitag, den 20. März um 19 Uhr im Versammlungsraum des Mehringhof (Gneisenaustr. 2a) stattfinden. Bringt euch zahlreich ein und achtet auf weitere Ankündigungen.

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Verlesen worden an: Warschauerstraße höhe kurz vor Kopernikusstraße

Ambrosius: Ein Treffpunkt unter vielen

Links sehen wir jetzt die Kneipe „Ambrosius“, die vor allem im Jahr 2007 von rechts offenem  Kneipenmilieu genutzt wurde. In der Ambrosius Bierbar trafen sich seit 2006 regelmäßig Hooligangruppen aus dem Umfeld des BFC Dynamo Berlin, aber auch Neonazis der ehemaligen Kameradschaft Tor  sowie der Treptower BASO. Immer wieder kam es bis zum August 2007 von hier aus zu Übergriffen gegen MigrantInnen und alternative Jugendliche. Das Ambrosius diente den betrunkenen und prüglenden Nazis als Ausgangspunkt und Zufluchtsort bei ihrer Jagd auf Menschen die sich ihrem Hass und ihrer menschenverachtenden Ideologie nicht unterordnen können oder wollen.

Auf der jedes Jahr im August stattfindenden Biermeile – einem pseudokulturellen Massenbesäufnis  entlang der Karl-Marx-Allee – gab es auch 2008 am Ambrosius Bierstand die größten Ansammlungen von Neonazis.
Der Stand diente nicht nur als Anlauf- und Sammelpunkt, es kam von hier aus zu Übergriffen auf alternativ aussehende Passanten.
Nachdem die Bar im Vorfeld zur Silvio-Meier-Gedenkdemo 2007, auf einer Kundgebung und in Zeitungen öffentlich als Nazikneipe kritisiert wurde, hat sich der Betreiber einiges einfallen lassen um das Image aufzupolieren.
Seitdem ist es still geworden um das Ambrosius. Nur noch selten sieht mensch nun noch Neonazis in dem Laden, auch sind keine weiteren Übergriffe bekannt geworden.
Dennoch – das Ambrosius steht exemplarisch für viele andere Kneipen im Kiez, in denen Neonazis ungestört zumindest über einige Monate hinweg ihre sozialen Kontakte pflegen, in aller Ruhe an ihrem Stammtisch pöbeln und auf dem Nachhauseweg prügeln können.
Es gilt, dieser Kneipenkultur entgegenzutreten. Das heißt: andere KneipengängerInnen aufklären, Wirte und BesitzerInnen sensibilisieren und
Neonazis und andere rechte Sprücheklopfer mit allen Mitteln zu vertreiben..

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Verlesen worden bei: Zwischenkundgebung Grünbergerstr. (“Wenn die Spannung nicht zu sehr kocht”)

Der Tönsberg in Mitte – Eine Kampagne mit gesellschaftlicher Tragweite

Die Zitty führte ihn im Dezember in der Rubrik „Die peinlichsten Berliner“. Die Rede ist vom Thor Steinar Laden Tönsberg in der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte. Nach der Schließung des ersten „Tønsberg“ im Berlin-Carre am Alexanderplatz eröffnete dieser unweit des alten Standorts. Viele von euch waren bei den Protesten gegen den im Februar 2008 eröffneten Laden dabei.
Es gab vielfältige Aktionen gegen den Laden vom Bezirksamt, der Nachbarschaft und Antifas. Interessant an der Kampagne in Mitte ist sicherlich die immense publizistische Beachtung durch Medien wie sämtliche regionale Tageszeitungen und überregionale Magazine wie Spiegel, Cicero und die Tagesschau. Letztlich hat sich sogar die Berliner Partyszene in ihren etlichen Lifestyle-Magazinen, Internetblogs und Musikstücken zu Neonazis und Thor-Steinar geäußert. Diese gesellschaftliche Aufmerksamkeit hat erst das Land Norwegen dazu bewogen gegen Thor-Steinar Klagen wegen
Verwendens der norwegischen Staatsflagge einzureichen. Politiker jeder Coleur mussten sich plötzlich positionieren. Ansonsten relativ unpolitische Ladenbesitzer in Mitte, Sportvereine, die BVG und Verbände überschlugen sich in ihren klaren Äußerungen gegen den Laden und gegen das, wofür Thor-Steinar steht.  Daraufhin kündigten die Vermieter den Mietvertrag, weil sie bei der Unterzeichnung nicht über das Sortiment ausreichend informiert wurden, aber auch hier ist noch kein rechtskräftiges Urteil gesprochen. [korrektur des Redebeitrags: DOCH. ist es sehr wohl, es wird nur dagegen Einspruch eingelegt von denen. quelle der korrekturinformation: mitglied der innitiative gegen rechts berlin-mitte. datum der info: 6.3.09]
Doch ging es nicht nur um den Laden. Vielmehr verstehen die Mitwirkenden an der Kampagne dies als ein soziales Projekt. Der aufgebaute gesellschaftliche Druck, die permanente Präsenz der Kampagne gegen den Tönsberg hat die Auseinandersetzung mit dem ansonsten als Randthema angesehenen Rechtsextremismus zumindest temporär nicht nur in die Mitte Berlins sondern in die Mitte gesellschaftlicher Teilhabe gerückt. Die Kampagne gegen den Tönsberg ist deshalb vorbildhaft für uns, da sie uns ein bisschen von dem gegeben hat, was wir uns unter linker Bewegung vorstellen. Ein bisschen von dem, was wir uns trotz der unzähligen Widersprüche untereinander als gesellschaftliche Solidarität und soziales Miteinander vorstellen. Ein bisschen von dem, was wir uns auch in Friedrichshain und vor allem auch in anderen Problembereichen erhoffen.

Übrigens: Thor Steinar fühlt sich mittlerweile gemüßigt ein eigenes News-Portal einzurichten in dem Pressemeldungen verdreht, Journalisten bedroht und die Kampagnen gegen die Läden angeprangert werden.

Zu guter letzt wollen wir die Zitty nocheinmal zu Wort kommen lassen „Einen Concept Store für Deutschnationale in Berlin-Mitte zu etablieren, musste ja nach hinten losgehen.“

In diesem Sinne: Auch in Friedrichshain ist kein Platz für Thor-Steinar. Lasst euch was einfallen. Für einen vielfältigen Protest gegen Neonazis! Für mehr gemeinsam geführte Debatten, die zu Kämpfen werden.

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Verlesen worden bei: Nicht erst am Schluss (z.B. nach Zwischenkundgebung höhe Grünberger)

Grüße aus der Stadt Tromsø in Norwegen

Der Laden Tromsø ist nach der gleichnamigen Stadt in Norwegen benannt.  Die Stadt war während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg Flottenstützpunkt der Kriegsmarine der deutschen Wehrmacht. An diesen Wehrmachtschick will Thor-Steinar offensichtlich anknüpfen. Alle Thor Steinar-Läden sind nach norwegischen Städten benannt. Damit will Thor Steinar an irgendwelche nordisch-heidnischen Ursprünge bei der völkisch orientierten Kundschaft appellieren, die nach Meinung der Neonazis irgendwo im Norden zu finden sind. Die norwegische Kommune Tromsø hat sich anlässlich der Eröffnung letzten Samstag gemeldet und ihren Unmut über die Verwendung des Namens zum Ausdruck gebracht. Hier ein kurzes Statement des Bürgermeister Arild Hausberg: „Es ist schrecklich, dass unsere Stadt auf diese Weise mit Nazismus und Rechtsextremismus in Zusammenhang gebracht wird. Wir empfinden tiefe Abscheu gegen Thor-Steinar und wollen, dass Tromsøs Name nicht in den Dreck gezogen wird”.
Nicht nur die Stadt Tromsö im Norden des Landes, auch weitere – von den Neonazis hierzulande verunglimpfte – Städte haben sich inzwischen zusammengeschlossen und Kontakt mit der deutschen Botschaft aufgenommen. Im Storting, dem Parlament der Königreiches Norwegen – das von einer rot-rot-grünen Koalition regiert wird – könnte es aufgrund der Anfragen der betroffenen Städte zu einer art ‘Aktuellen Stunde’ kommen. Dies würde bedeuten, dass die Beschwerde an höchste Ebene, sprich den Bundestag der BRD, weitergereicht wird.
Der norwegische Staat erstattete bereits im Februar 2008 Anzeige gegen Thor-Steinar wegen „ungebührlichem Verwendens von Hoheitssymbolen“, da die Staatsflagge Norwegens auf zahlreichen Kleidungsstücken aufgenäht ist. Gegen den ergangenen Bußgeldbescheid von 20.000 Euro legte Thor-Steinar Widerspruch ein. Eine Entscheidung steht noch aus, nachdem sich das Potsdamer Amtsgericht für „örtlich nicht zuständig“ erklärte.

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Verlesen worden: Nahe Petersburgerstr. (U-Frankfurter Tor)

Die historische Brisanz des Hauses Petersburgerstr. 94
Durchsetzung des Nationalsozialismus im Arbeiterbezirk Friedrichshain

Der Thor-Steinar Laden ist an einem historischen Ort einquartiert. An der gleichen Stelle wo heute Runen-Pullover an die Nazis von heute verkauft werden, befand sich in den 30iger Jahren die Kneipe „Keglerheim“, die der NSDAP seit 1929 als Sturmlokal diente. Hier war der Sammelpunkt des berüchtigten SA-Sturms unter der Leitung von Horst Wessel. Die Truppe um Wessel umfasste 1930 bis zu 250 Schlägernazis, die regelmäßig auszogen, um im Arbeiterbezirk Friedrichshain für einen aggressiven permanenten Wahlkampf der NSDAP zu sorgen. Der Boden für den Wahlkampf war durch die starke Arbeitslosigkeit von knapp 40% bereitet.
In mitten des als rot verschrienen Arbeiterbezirks galt das Keglerheim als die Speerspitze der NSDAP und Festung der SA. Auf der anderen Seite stand eine undurchdringliche kriminelle Subkultur, die wenig auf Parteivorstände hörte aber der KPD und SPD bzw. deren militanten Straßenabteilungen Rotfrontkämpferbund und Reichsbanner nahestand. Politische Arbeit wurde
von allen Seiten bis aufs Messer betrieben. In dieser Periode bis Januar 1933, also vor der Machtübergabe an Hitler, wurde von politischen AkteurInnen eine Radikalisierung in allen Lebenslagen verlangt. Der Kampf der KPD und NSDAP um die Stimmen der ArbeiterInnen wurde traditionell  mit Massenschlägereien ausgetragen. Dass dieser Kampf durchaus lohnenswert war zeigt sich in den Wahlergebnissen. Am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37% zur stärksten politischen Kraft im Reichstag. In Berlin-Friedrichshain fielen die Wahlergebnisse völlig anders aus. So erhielt die KPD hier 39%, während die NSDAP „nur“ 20% erreichte. Doch darüber konnte sich niemand so recht freuen, denn regelmäßig wurden Kommunisten und SPD-Anhänger auf offener Straße von Nazis erschossen. Eine Kurze Wahlkampfanekdote berichtet der damalige KPD-Anhänger Karl Lewke: „Als ich gegen Mitternacht in der Liebigstraße eintraf, stieß ich auf die Genossen der Straßenzelle, die beim Kleben und Bemalen der Mülltonnen waren. Nazis des berüchtigten Horst-Wessel-Sturms, die oben an der Liebigstr. Ecke Rigaer Straße standen und sich nicht in die Liebigstraße trauten, schossen blindlings in die Nacht. Ihnen steckte wohl noch die mehrmalige Abfuhr vom Jahre 1932 in den Knochen …“
Der Horst-Wessel-Sturm traf sich für solche Aktionen im Keglerheim in der Petersburgerstr. Der Anführer dieser Nazi-Schlägerbande war zu dieser Zeit allerdings schon tot und erlebte den Nationalsozialismus nicht mehr. Horst Wessel starb an einer Blutvergiftung im Krankenhaus Friedrichshain Ende Februar 1930. Vorausgegangen war eine „proletarische Abreibung“ mit Schußwaffengebrauch durch den Rot-Front-Kämpfer Albrecht Höhler in  Wessels Wohnung am heutigen U-Bhf. Weberwiese. Der SA-Sturm um Wessel hatte zur Jahreswende 29/30 so viel Leid und Terror verbreitet, dass sich der Kiez gewehrt hatte.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde der Terror bekanntlich ausgeweitet. Weiterhin war das Keglerheim dafür Ausgangspunkt und wurde
als sog. „Wildes Konzentrationslager“ genutzt. Im Vergleich zu anderen Regionen konnten die Strukturen des RFB hier noch sehr lang, bis März 1933, unter wechselnden Namen öffentlich auftreten. Am 1. Mai 1933 wurde
in der Strassmannstrasse sogar noch eine eigene KPD-Demo gegen den 1. Mai-Aufzug der NSDAP klandestin organisiert. Die SA hatte im Keglerheim die Möglichkeit, ohne auf Reglementierung durch die Führung der NSDAP hören zu müssen, alte Rechnungen mit dem RFB und anderen zu begleichen.

Ein Beispiel für eine dieser Abrechnungen der SA ist die im August ’33 durchgeführte Folterung und versuchte Hinrichtung der KPD-Aktivsten Max Weichert, Bruno Schilter und Kurt Zinke, der den Abend so beschreibt: „In der Nacht wurde ich durch den Horst-Wessel-Sturm in der Wohnung meiner Eltern verhaftet und in das Keglerheim gebracht. Bei dieser Vernehmung wurde mir ein Lungenriss, ein Leberriss und eine Nierenquetschung beigebracht, bevor ich zusammen mit den Genossen Schilter und Weichert  in der Thaerstraße erschossen werden sollte“. Weichert und Zinke wehrten sich gegen die Exekution und konnten entkommen, während Schilter mit ausgekugelten Armen und Beinen an drei Kopfschüssen starb. Vielen anderen unbekannt gebliebenden ist es ebenso ergangen. Die Zahl der Razzien und Folterungen in den sog. „wilden KZs“ der SA in Friedrichshain (neben dem Keglerheim gab es noch die „Viehbörse“ in der Eldenaer Str.) und das verursachte Leid sind heute nicht mehr zu ermessen.
Diese Eindrücke zur historischen Einbettung des Keglerheims und der Petersburgerstr. 94 soll für heute ausreichen, um zu verdeutlichen, an welche Geschichte Thor-Steinar mit der Ortswahl für seinen neuen Laden mutwillig anknüpft.

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Verlesen worden: Entweder Auftaktkundgebung, Zwischenkundgebung oder bis zum Frankfurter Tor (öhm an dieser stelle gleich genauer, wann genau es verlesen wurde)

Offener Brief des Mieterladens an den Vermieter der Petersburger Str. 94

Der Mieterladen ist Gründungsmitglied der Initiative Gegen Rechts

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 28.02.2009 eröffnete im Erdgeschoß der Petersburgerstr. 94 der Laden „Tromsø“, über dessen Charakter wir Sie hiermit informieren möchten. Wie Sie vielleicht den Medien entnahmen, war die Ladeneröffnung von heftigen Protesten begleitet.
Es erregt zunehmend unsere Besorgnis, daß sich das angebotene Sortiment aus Produkten zusammensetzt, die auf rechtsextremes Gedankengut rekurrieren. Die Kleidungsmarke „Thor Steinar“, ist fester Bestandteil rechtsextremen Lifestyles und wird vom Verfassungsschutz als eindeutig „identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten“ eingeschätzt. Das Tragen dieser Kleidung ist an vielen öffentlichen Stellen (z.B. im Bundestag) und Sportstätten (z.B. bei Hertha BSC, Borussia Dortmund) bereits länger verboten.
Die Bedeutung von Läden wie dem „Tromsø“ lieg v.a. darin, daß rechtsextrem(orientierter) Lifestyle bis in den gesellschaftlichen Mainstream hinein verbreitet wird. Der Laden fungiert einerseits als stetige Anlaufstelle für Rechtsextreme und schafft andererseits einen niedrigschwelligen Zugang für Jugendliche zu rechtsextrem (orientiertem) Lifestyle und Erlebniswelten.
Die Existenz des Ladens führt zudem dazu, daß sich AnwohnerInnen und Gewerbetreibende aus der Umgebung durch die Präsenz von Rechtsextremen eingeschüchtert und bedroht fühlen. In direkter Nachbarschaft befinden sich soziokulturelle Einrichtungen, die sich ebenfalls bedroht fühlen.
Im Herzen unseres Stadtbezirkes, der seit 2006 die traurige Berliner Statistik rechter Übergriffe anführt, ist ein solcher Laden nicht akzeptabel. Besonders pikant ist der nicht zufällige Umstand, daß sich der Laden in einem Haus befindet, an dessen Standort es einen SA Folterkeller gab, in dem auch Menschen ermordet wurden.
In Berlin Mitte läuft bereits ein Räumungsverfahren gegen einen ähnlichen Laden, weil der Mieter arglistig verschwiegen hatte, welche Kleidungsartikel verkauft werden.
Im Ringcenter II an der Frankfurter Allee läuft gegen einen ähnlichen Laden ein weiteres Räumungsbegehren durch den Vermieter.
Es kann nicht sein, daß zwei Läden durch Zivilcourage und Zusammenarbeit vieler Beteiligter, einschließlich der Vermieter, schließen müssen und zeitgleich ein neuer Laden eröffnet wird.
Wir werden wie viele andere Menschen, Bewohner und Initiativen im Bezirk diesen Laden nicht tolerieren und alle erdenklichen, zivilrechtlich zulässigen und notwendigen Mittel ergreifen, daß er wieder verschwindet.
Für die nächsten Tage und Wochen sind bereits viele verschiedene Aktionen geplant. So wird am kommenden Samstag eine Demonstration durch den Stadtteil bis zum Laden führen.
Wir hoffen, daß auch Sie rechten Umtrieben keinen Vorschub leisten möchten und bitten Sie deshalb auffordernd, die Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu prüfen und zu nutzen, um das Mietverhältnis möglichst schnell wieder zu lösen. Ganz sicher liegt es nicht in Ihrem Interesse als Eigentümerin, daß soziale Klima vor Ort nachhaltig negativ zu beeinträchtigen.

Wir hoffen, in Ihnen Verbündete zu finden, die Situation zu verändern und freuen uns auf Antwort.

Dieser Offene Brief führte zu einer Reaktion durch die Vermieter

Sehr geehrte Damen und Herren,
Bezüglich der o.g. Ladenfläche erfolgte die Mieterauswahl und Unterzeichnung des Mietvertrages mit der Skytec Outlets GmbH ausschließlich durch den Eigentümer SF-Immobilienfonds.
Auf Nachfrage teilte der Rechtsanwalt des Eigentümers mit, dass ihm ”… bis zur Öffnung des ’Tromso-Geschäftes’ weder die Marke ’Thor Steinar’ bekannt war, noch der Geschäftsname ’Tromso’ noch, dass in der Immobilie Petersburger Straße 94 ein ’Tromso’-Geschäft mit dem Vertrieb von ’Thor Steinar’-Produkten eröffnet werden soll.
Der Bezug von ’Tromso’ und ’Thor Steinar’ zur Neonazi-Szene ist dem Eigentümer erst aufgrund der Vorgänge vom vergangenen Wochenende und der Berichterstattung hierüber bewusst geworden. Er hat hierauf eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung der Rechtslage und der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Der Eigentümer ist bestürzt über die Vorfälle der vergangenen Tage und wird alle rechtlichen Maßnahmen ausschöpfen, um den Vertrieb von ’Thor Steinar’ in dem Objekt zu unterbinden.”
Rein vorsorglich teilen wir Ihnen mit, dass die DIM Deutsche Immobilien Management GmbH im Falle der Verbreitung einer anderen Sachverhaltsdarstellung über die Tagespresse umgehend gerichtliche Schritte einleiten und ggf. Schadensersatzansprüche geltend machen wird.

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Verlesen worden bei: Abschlusskundgebung (Vor dem Laden)

Pressemitteilung der Nachbarn des Tromso in der Petersburgerstr. 92

Die Mieter des Hauses Petersburger Straße 92 im Friedrichshain, zu denen zahlreiche interkulturelle Vereine gehören,  protestieren gegen das neue Thor Steinar – Outlet – Geschäft im Haus direkt nebenan. Die Modemarke Thor Steinar ist bei Neonazis sehr beliebt und ein Erkennungssymbol der rechten Szene in Deutschland. Sie wurde im Jahr 2002 entworfen, um mit modischem Design und germanischer Symbolik rechtsextreme Ideologie im gesellschaftlichen Alltag salonfähig zu machen. In Berlin wurde dies bereits mehrfach versucht, so im Bezirk Mitte mit dem Laden TONSBERG, gekündigt im Februar 2008 , Räumungsverfahren läuft und im Bezirk Lichtenberg mit dem Laden DOORBREAKER im Ringcenter 2,  der Thor Steinar vertreibt und gegen den im November 2008 eine Räumungsklage des Centermanagements lief.
Die Vereine in der Petersburger Straße 92 stehen mit ihrer  Arbeit für Integration und interkulturelles Miteinander, für Offenheit und Solidarität mit Schwächeren unabhängig von deren Herkunft, Hautfarbe, ethnischer oder kultureller Identität. Sie arbeiten mit Menschen aus aller Welt zusammen. In den letzten Jahren sind Migrantinnen und Migranten bereits mehrfach Opfer von rechtsextremen Übergriffen im Friedrichshainer Kiez geworden. Mit dem Einzug des TROMS-Ladens in die Petersburger Straße befürchten die Vereine jetzt, dass das Geschäft noch mehr Rechtsextreme und Nazis in den Kiez holen und damit zu einer erheblichen Gefahr für die Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund wird. Ziel der Vereine ist es daher, dass der Mietvertrag für die mit der Marke Thor Steinar firmierenden Betreiber des Outlet-Ladens  TROMSO gekündigt und das Geschäft geschlossen wird.
Die Mieter des Hauses Petersburger Straße 92 haben gestern ihre  gemeinsame Position zum neuen, unerwünschten Nachbarn nach außen deutlich gemacht und Transparente an der Fassade gespannt.

Die Projekte und Vereine in der Petersburger Straße 92: Afrikanische Ökumenische Kirche, Afrikanisches Samariterwerk, Deutsch-Afrikanisches Netzwerk, Deutscher Amateur-Radio-Club, Gesellschaft für Europabildung, Paul Singer e.V. , Kulturverein Gabriela Mistral und der Verband für interkulturelle Arbeit (VIA)
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Flyer (und Teil der Auftaktrede)

(orthographische und tippfehler wurden von wikinews030 korrigiert.)

Thor-Steinar Outlet “Tromsø” in Friedrichshain eröffnet!

Keine Geschäfte mit Nazis

Der Kiez wehrt sich!

Die bei Neonazis beliebte Modemarke “Thor Steinar” eröffnete am 28.02. einen 200qm-großen Outlet-Shop in der Petersburger Str. 94, unmittelbar neben dem Bezirksamtsgebäude und neben der Gedenktafel “Zu Ehren der  Opfer des Mörderkellers-Keglerheim”, welches sich während des Nationalsozialismus an der Stelle befand und wo hunderte SPD- und KPD-Anhänger zwischen 1930 und 1945 gefoltert und ermordet wurden. Klar, dass wir uns das nicht gefallen lassen!

Thor-Steinars widerwärtige Erfolgsgeschichte

Seit 2002 gibt es die bei Rechten beliebte Modemarke Thor Steinar. Produziert wird sie in Königs-Wusterhausen von der Firma Protex. Sie setzt auf mehrdeutige Aufdrucke, die einen Hang zu völkischen Symbolen, wie zum Beispiel Runenkombinationen haben. Aber auch Waffen der Wehrmacht, Bezüge zum Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs, zur deutschen Kolonialgeschichte und markigen Sprüchen wie z.B. „Wir machen auch Hausbesuche“ sind auf den hochwertigen Pullovern, Jacken und anderen Outdoor-Klamotten. Der politisch klare Bezug des alten Runen-Logos zum Nationalsozialismus hat durch ein zeitweises Verbot in Brandenburg, Berlin und Tschechien zumindest in der Öffentlichkeit für die Entlarvung der Marke als rechtsoffen gesorgt. Mittlerweile ist das Logo aber wieder überall erlaubt. Der Bezug zum deutschen Militarismus und Nazismus kommt leider 64 Jahre nach Kriegsende in weiten Kreisen an. Sehr schnell wurde die Marke nicht nur bei offen agierenden Neonazis populär, auch in der Türsteher-Szene und im rechten Fußball-Hooligan-Milieu ist sie leider Einheitslook.
Vertrieben wird Thor-Steinar sowohl über eindeutige Neonazi-Versände und
Läden wie beispielsweise dem Berliner „Harakiri“ in Prenzlauerberg. Aber auch in einigen Lifestyle Geschäften, beispielsweise in den drei „Doorbreaker“ Filialen im Lindencenter, in Köpenik und im Friedrichshainer
Ringcenter kann die Marke erworben werden. Seit Ende 2005 verfügt Protex auch über eigene Geschäfte die ausschließlich Thor Steinar verkaufen.

Eröffnung und Folgen für den Kiez

Nachdem die Eröffnung am 28.02. durch 250 Gegendemonstranten verzögert wurde, herrscht Aufregung bei Thor Steinar und Polizei. Die Gefahrenprognose für den Laden hat die Betreiber dazu animiert, die Schaufenster nachts mit einer Kombination aus Holzplatten und  Alujalousien zu schützen. Die Berliner Polizei bewachte das Objekt 24 Stunden am Tag mit Zivil- und normalen Einsatzfahrzeugen. Dieser Schutz wurde nach der ersten Nacht wieder etwas zurückgefahren. Im Moment haben die Betreiber nachts zeitweise einen Security-Dienst engagiert. Die Polizei läßt sich von den Betreibern instrumentalisieren. Ein Mann, der einen Anti-Nazi-Aufkleber in der Nähe des Ladens hinterlassen hat, wurde auf der Stelle festgenommen.
Ein paar Jugendliche, die sich auf dem Grünstreifen gestern am frühen Abend zum Biertrinken sammelten, wurden teilweise mit Handschellen abgeführt und bekamen Platzverweise.
Wie schon vorher der Doorbreaker im Ringcenter wird auch der neue Laden mit ThorSteinar-Sortiment rechtsextreme Klientel nach Friedrichshain ziehen. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Klientel im Kiez “ausleben” wird. Friedrichshain führt jetzt schon mit 31 rechtsextremen Gewalttaten (Register zur Erfassung rassistischer, extrem rechter, antisemitischer und homophober Übergriffe und Vorfälle) im Jahr 2008 die traurige Liste der Bezirke an. Der alternativen und migrantischen Bevölkerung Friedrichshains droht die permanente Konfrontation mit Neonazis im Einzugsbereich des Ladens (U-Bhf. Frankfurter Tor/ Landsberger Allee). Ausgerechnet im Nachbarhaus sind etliche interkulturelle Vereine wie das Deutsch-Afrikanisches Netzwerk untergebracht, die nun um ihre Sicherheit bangen.
Friedrichshain hat schon viele rechte Locations temporär ertragen müssen.
Immer wieder ist es der Ausdauer der AnwohnerInnen geschuldet, wenn diese Läden wieder verschwinden. Ob nun Thor-Steinar oder rechtes Saufpublikum: Neonazis dürfen hier nicht Fuß fassen! Ihr anti-humanistisches Menschenbild haben weder in Friedrichshain noch woanders etwas verloren!

Betreiber und Vermieter

Betrieben wird der neue Thor-Steinar Laden in der Petersburger Straße durch die SKYTEC Outlets GmbH, eine Briefkastenfirma, deren Spuren bis zur Mutterfirma von ThorSteinar “Protex” in Königswusterhausen (Brandenburg) führen.

Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme des Hauseigentümers SF-Immoblilienfonds Beteiligungsgesellschaft Nummer Drei KG in Köln, die den Mietvertag mit Skytech unterschrieben hat. In dem Schreiben heißt es: “… bis zur Öffnung des ’Tromso-Geschäftes’ war uns weder die Marke ’Thor Steinar’ bekannt, noch, dass in der Immobilie Petersburger Straße 94 ein ’Tromso’-Geschäft mit dem Vertrieb von ’Thor Steinar’-Produkten eröffnet werden soll. Der Bezug von ’Tromso’ und ’Thor Steinar’ zur Neonazi-Szene ist dem Eigentümer erst aufgrund der Vorgänge vom vergangenen Wochenende und der Berichterstattung hierüber bewusst geworden. Der Eigentümer ist bestürzt über die Vorfälle der vergangenen Tage und wird alle rechtlichen Maßnahmen ausschöpfen, um den Vertrieb von ’Thor Steinar’ in dem Objekt  zu unterbinden.”

Macht mit!

Heute machen wir eine Demo und wir haben noch viel mehr in Planung.  Bisher hat sich dieser Bezirk noch nicht an den neuen Nazi-Mode-Laden gewöhnt. An uns ist es, dass dies auch in Zukunft nicht geschieht. Lassen wir uns die Straße nicht von den Neonazis wegnehmen! Reihen sie sich ein in den

Protest gegen die Normalität rechter Straßengewalt. Organisiert euch, vernetzt euch, werdet aktiv! Gegen Thor Steinar und dessen Klientel. Gegen Neonazis und ihre Ideologie. Für Vielfalt statt Einfalt!Nächste Aktionen – 11.03. | 20 Uhr Galiläa-Kirche | Podiumsdiskussion zum Umgang mit dem Thor-Steinar Laden “Tromsø” – 21.03. | 12 Uhr Boxhagener Platz | Große Kiezparade gegen Thor-Steinar und Neonazis im Kiez.

Antifa Friedrichshain
Initiative Gegen Rechts
Register Friedrichshain <- siehe weiter oben, die adresse ist intakt und soweit richtig, die seite wird jedoch erst voraussichtlich um den 14.3. herum freigeschaltet. bitte  zu diesem zeitpunkt wieder reinklicken.

Offenes Treffen der Initiative Gegen Rechts jeden 1. Dienstag im Monat im Mieterladen (Kreutzigerstr. 23)

* Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind,  den Zutritt zur Veranstaltung zu  verwehren oder von dieser auszuschließen.

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weitere ergänzungen. in der nacht auf den montag postet jemand “irgendwo” (genaue ortsangabe des posts mit direktlink erst NACH onlinestellung der rückverlinkung dort) :

armselig
(muss ausgefüllt werden) 09.03.2009 – 01:26
ist leider das erste adjektiv was mir im bezug auf die demo einfällt. sicher war es super dass so viele menschen da waren (“750” im polizeibericht? – lächerlich, das doppelte trifft’s wohl eher), aber das war’s dann auch schon.
– der lauti war viel zu leise. das wäre noch zu verschmerzen gewesen, aber

– die demo war auch so gut wie nicht zu hören. parolen? die meiste zeit fehlanzeige.
– was vor dem laden abging, war nur noch lächerlich. da standen vielleicht 30 bullen vor der thor-steinar-klitsche rum, gegenüber 4-500 sog. “autonomen antifas”. und passiert ist N-I-X. klar hatten die bullen verstärkung in der nähe, aber den laden und die paar rookiebullen (wir haben die danach gesehen wie sie ohne anweisungen kaum ihre formation einhalten konnten) hätte mensch in null komma nix sowas von platt machen können…
– dass die bullen trotz der selbstlähmung unsererseits hinterher noch stress machen mussten, war fast noch lächerlicher als die demo vorher.

fazit: berlin als “autonomen-” bzw. “antifahauptstadt”, diese zeiten sind lange vorbei, q.e.d. letzten samstag. bleibt wohl nur noch die gute alte kleingruppenaction wenn nicht noch 1500 bremserInnen und zwei hundertschaften da sind.

anwort:

“armselig … ist leider das erste adjektiv was mir im bezug auf die demo einfällt.”

<> nun, das dürfte wohl einstellungssache bleiben.

“sicher war es super dass so viele menschen da waren (“750″ im polizeibericht? – lächerlich, das doppelte trifft’s wohl eher),”

<> eben.

“aber das war’s dann auch schon.”

<> so?

“- der lauti war viel zu leise. das wäre noch zu verschmerzen gewesen,”

<> hör mal, darf ich hier mal laut auflachen, ohne daß du erschrickst? leichte schwerhörigkeit zu verzeichnen? der lauti war prima, es gab leute, die zusammengezuckt sind, wenn die zu nah drangestanden haben – und mein aufnahmegerät hat – obwohl ich runtergedreht hab wie ging – die ansagen übersteuert aufgezeichnet. lauti war zu leise? na wenn man seinen arsch nicht in bewegung bekommt, und sich auf die schweren vielen meter zum lauti macht – wenn man also angewurzelt stehen bleibt in der erwartung, der lauti parkt genau neben deiner ohrmuschel – dann, sicher, “war der lauti zu leise”.

“aber
– die demo war auch so gut wie nicht zu hören. parolen? die meiste zeit fehlanzeige.”

<> antwort: wie siehe oben. keine ahnung, wo du gestanden hast, wo du gelaufen bist. ich hab die rufe auf band, erzähl einen vom himmel runter.

“- was vor dem laden abging, war nur noch lächerlich. da standen vielleicht 30 bullen vor der thor-steinar-klitsche rum, gegenüber 4-500 sog. “autonomen antifas”. und passiert ist N-I-X.”

<> ok, und selber? was hast Du denn so in bewegung bekommen zu diesem zeitpunkt? prima servicehaltung, in meinen augen, sollen die anderen machen. klar gab es chancen und klar waren sie nicht rosig. klar hätte es neben scherben festnahmen gegeben und dellen und beulen und erkennungsdienstliche behandlungen. und hör auf auf die “autonomen antifas” zu schielen ständig, wenn was passiert, dann muß es schon von einer fetten ganzen demo samt müttern und papis und opis und tantchen kommen, sonst endet das in kurzen polizeiprotokollen über randalierer, die ein paar steine geworfen haben, der BILD, die über die bösen linken gefährlichen jungs herzieht und damit hatte es sich auch schon.

“klar hatten die bullen verstärkung in der nähe, aber den laden und die paar rookiebullen (wir haben die danach gesehen wie sie ohne anweisungen kaum ihre formation einhalten konnten) hätte mensch in null komma nix sowas von platt machen können…”

<> ey, ok,mag sein, aber nochmal: wo war dann deine orga, wo die kumpels, die den ersten anlauf zu nehmen imstande sind, wo dein griff zum lauti, wo der aufruf, jetzt nicht zu kneifen und… – hm?

“- dass die bullen trotz der selbstlähmung unsererseits hinterher noch stress machen mussten, war fast noch lächerlicher als die demo vorher.”

<> lächerlich oder nicht. 12 leute haben jetzt den nächsten juristischen streß am hals, und ein paar beamte, die sich nicht der frage entziehen können sollten, welche art gewalt sie angewendet haben und von wem sie meinen dazu die erlaubnis erhalten zu haben. das ist mir wichtiger als die frage, ob lächerlich oder nicht.

“fazit: berlin als “autonomen-” bzw. “antifahauptstadt”, diese zeiten sind lange vorbei, q.e.d. letzten samstag. bleibt wohl nur noch die gute alte kleingruppenaction wenn nicht noch 1500 bremserInnen und zwei hundertschaften da sind.”

<> ach hör mir upp mit “autonomenstadt”, es ist nicht eine szene alleine, die gegen den laden anrennt, da muß schon ein bißchen breitere verstärkung her. und auch die orga dieser demo. ist keine “autonome” orga gewesen, also was.

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wikinews030: wir integrieren, unterstützend, dieses kommentar eines antworters in unsere seite zur kenntnismahme. und bemerken dazu abschließend wie folgt:

warum auch medien manchmal so gehässig reagieren, wenn sie was von “autonomen” und “autonomenstadt” hören? dafür gibt es wahrscheinlich eine ziemlich einfache, hier knapp skizzierte erklärung. dies könnte nämlich daran liegen, daß – obwohl in j e d e m journalisten ein gehöriges stück anarcho steckt (ein jeder journalist recherchiert verbissen, zäh, selbständig, läßt sich ungern in quellenwahl und textgestaltung reinlabern…) – daß obwohl dem so ist, gerade journalisten gute gründe haben könnten zur abstandwählenden skepsis. soll ich dir ein paar details flüstern von informanten unseres mediums? willst Du die schilderungen eines unseren informanten brühwarm? da haben wir beispielsweise den demonstrationsteilnehmer einer demo vom 1.8.2007 in berlin. sie fand am tag nach der verhaftung von andrej holm statt. sie fand gleichzeitig an dem tag statt, an dem sechs hundertschaften in uniform das haus brunnenstraße gestürmt haben. die demo begann an der brunnenstraße und endete vor der köpi. es gab ein paar seltsam entgrenzte festnahmen nach offizieller beendigung der demonstration. unser informant – einer der betroffenen – konnte uns den “zivibullen oder v-mann”, wie er sich, der details nicht habhaft, ausdrückte – vom äußeren sehr gut beschreiben. auch die details zum verhalten des staats-beamten in autonomenkluft. der beamte in schwarz muß sehr heiß auf das zusatzgeld gewesen sein, richtig hot auf zusatzverdienste. der betroffene sagt, er wäre bis heute sehr gespannt und begierig darauf zu hören, was der beamte in autonomenkluft eigentlich gemeint hat, als er zum einsatzleiter der per fingerzeig auf den betroffenen  logelassenen truppe aufgeregt sagte: “das ist einer von denen”. am tag nach der verhaftung von holm. “einer von denen was?!” – sagt unser informant, das hätte er bis heute nicht herausgefunden, die literarische short story des staatsbeamten in autonomenkluft (hager bis dürr, schlottrig, ca. 1,75 m, schwarze kurze bzw. sehr kurze haare, schätzungsweise mitte 20) würde den bis heute sehr interessieren, sagt unser informant, erfahren hat er´s bis dato nicht. das einzige, was sich unser informant bis heute denkt, ist, so sagt er: der staatsbeamte in autonomenkluft muß arg knapp bei kasse gewesen sein, ein “armes schwein”, für dessen literarische phantasie unser informant aber “sonderbehandlungen” erfahren durfte. siehe panoramalink oben zu polizeigewalt in der zelle: unser informant sagt bis heute: “DANKE!” und dann sagt er noch – “was für eine show… – und das will uns der staatsapparat als “dienst” und “arbeit” verkaufen” – der informant sagt dazu noch: “ich lach ein andermal, wenn ich zeit hab.”

wir hoffen, das genügt als hinweis auf unsere – distanzierung. wenn sich unsolidarisches verhalten auf demonstrationen in bestimmten kreisen zu breit macht – und das schließlich u.a. dazu führt, daß vor einem beispielsweise schon vorher szeneintern enttarnten beamten in autonomenkluft nicht rechtzeitig gewarnt wird… – was erwartest du von medienstimmen als reaktionen auf “autonome” und “autonomenstadt” sonst, hm?

gespannt auf die antwort

wikinews030.

6 Responses

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  1. kurz zum Stand der Dinge:
    der auf der Demo Festgenommene wird anwaltlich betreut.

    Leute, die demnächst Strafbefehle, Vorladungen o.ä. bekommen (oder auch ZeugInnen von Polizeiübergriffen) kommen am besten zur Beratung in die EA-Sprechstunde.

    WICHTIGE INFOS zu unserer Arbeit: wir versuchen zu gewährleisten, dass Leute, die einem/einer HaftrichterIn vorgeführt werden, dort vertrauenswürdige AnwältInnen von uns gestellt kriegen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir möglichst sichere Informationen von Euch über den Verbleib von Leuten bekommen: Vor- und Zuname, möglichst Geburtsdatum und vor allem bitte bitte eine Kontaktnummer von Euch, damit das weitere Vorgehen abgesprochen werden kann und damit wir zum Beispiel nachfragen können, ob der/die Vermisste nicht längst irgendwo beim Feierabendbier o.ä. sitzt. Leider haben AnwältInnen schon viel zu oft in den Gefangenensammelstellen nach Leuten gesucht, die entweder gar nicht festgenommen oder bereits wieder freigelassen worden waren.
    Auch wenn wir es sonst sehr unterstützen, mit Daten, Kontakten etc. knausrig zu sein, ist diese Haltung bei einem Anruf beim EA nicht sehr hilfreich. Wichtig ist nur, in so einem Gespräch niemanden zu belasten, also bitte keine Sätze wie: “mein Kumpel hat doch nur xxx” …
    Bei Ingewahrsamnahmen können auch wir bzw. AnwältInnen meistens erstmal nicht viel machen, es sei denn, es handelt sich um große Kessel oder es gibt AnwältInnen, die gerade Zeit haben, vor Ort zu sein oder hinzufahren. Meistens werden die Leute einige Stunden später freigelassen – und melden sich dann bitte beim EA ab. Nutzt dafür bitte auch unbedingt unseren AB.
    Je besser und je aktueller der EA von Euch allen informiert wird, desto besser können wir aktiv werden. Am allerbesten dann, wenn wir angefragt wurden, ob wir für eine Demo/Aktion o.ä. Telefondienst machen – sonst ist es nicht sichergestellt, dass Leute von uns im EA-Büro sind oder 24 h den AB abhören.

    Generell haben wir den Eindruck, dass aktuell viele den EA nutzen und bei manchen Demos alle Infos über Festnahmen bei uns eintreffen – SUPER!!! In Fällen von juristischem Nachspiel können wir immer wieder Leute mit Informationen, ZeugInnen oder einfach Vernetzungsarbeit unterstützen. Weiter so!

    Berliner Ermittlungsausschuß (EA-Berlin)
    Gneisenaustr. 2a
    2. Hof
    U-Bahn Meringdamm
    Persönliche Beratung jeden Dienstag zwischen 20:00 – 22:00
    Tel: 030 – 692 22 22

    P.S.: an Euer Geld wollen wir immer noch!!!

    Spendenkonto:
    Sonderkonto Klaus Schmidt
    Postbank Berlin
    BLZ 10010010
    KontoNr.: 20610106

    EA Berlin

    March 10, 2009 at 10:53 am

  2. lieber EA, habt vielen dank für Euren eintrag, er ist für die aufarbeitung sehr wichtig.

    trotzdem – seit erscheinen eures posts auf der indymedia-seite haben wir dazu stellung genommen (siehe oben, unterer abschnitt des eigentlichen textes, oberhalb der redebeiträge) und denken, euer eintrag widerspricht dem unseren nicht.

    um die suche zu erleichtern, hier nochmal:

    5.) “zwölf Strafermittlungsverfahren…” An alle Betroffenen ergeht an dieser Stelle der dringende Hinweis, sich spätestens nächsten Mittwoch abend bei der Roten Hilfe einzufinden. Hier die Uhrzeit und Ortsangabe der wöchentlichen Beratungen. (Direktlink im Beitrag oben.)

    dazu postet am 10.3. auch der ermittlungsausschuß im mehringhof:
    Betroffene von Festnahmen
    10.03.2009 – 00:00

    Betroffene von Festnahmen und polizeilichen Übergriffen sollten sich melden beim:

    Berliner Ermittlungsausschuß (EA-Berlin)
    Gneisenaustr. 2a
    2. Hof
    U-Bahn Meringdamm
    Persönliche Beratung jeden Dienstag zwischen 20:00 – 22:00
    Tel: 03. – 692 22 22
    was natürlich stimmt: das ist (für leute, die noch nicht bei allzu vielen demos teilgenommen haben, wichtig) – immer eure erste anlaufadresse. dort meldet ihr euch, wenn ihr nach einer festnahme und evtl. erkennungsdienstlicher behandlung oder ggf. längerer festsetzung wieder freigelassen werdet. trotzdem: ein möglichst früher kontakt zur roten hilfe ist nötig, holt euch rat, bringt in erfahrung, wie und welche hilfe ihr erwarten könnt, sobald der erste relevante brief bei euch eintrifft (also nicht die vorladung, die dürft ihr ignorieren. wichtig sind a) entweder der strafbefehl, wenn der richter es eilig hatte oder b) die zustellung des gerichtstermins. ihr solltet schon vor eintreffen der schreiben die nächsten schritte kennen, daher weiterhin: nach der kontaktaufnahme mit dem EA ab mit euch am mittwoch zur roten hilfe. nicht aufschieben!)

    der link zur mittwochs-sprechstunde der roten hilfe war:

    http://berlin.rote-hilfe.de/kontakt.html – dort auch die genaue adresse. zeit: Mittwochs zwischen 19.30 und 20.30 Uhr.

    teeater

    March 10, 2009 at 1:37 pm

  3. Tja, wieviele Polizisten stürzen sich auf einen? Ist doch im Grunde ganz einfach: es geht hier um gezieltes schnelles und weitesgehend verletzungsfreies Überwältigen, 2/3 des “Zugriffkommandos” dient dazu, den Festgenommenen von der Menge abzuschirmen. Machen wir bei uns im Krankenhaus übrigens auch so. Bei gewalttätigen Patienten versucht man sie im Akutfall mit möglichst vielen Pflegern festzuhalten, damit verhindert wird, dass derjenige sich losreißen kann und es zu einem Schlagabtausch oder weiteren Gefährdungen kam. Ich stand ca. 4 Meter entfernt von der Situation, daher glaube ich mir da gut ein Urteil erlauben zu dürfen. Die Polizei war korrekt im Auftreten. Leider war es aber auch ersichtlich, dass manche Demoteilnehmer immer wieder versucht haben, Stimmung gegen die Polizei zu machen und als die Demo offiziell zu Ende war, musste man natürlich alles dafür tun, damit man auch sein Feindbild Polizist pflegen kann. Es sind halt immer die gleichen Kandidaten, ihnen hier so etwas wie “Opferbetreuung” anzubieten ist wohl deutlich daneben. Gruß in die Runde

    Lars

    March 10, 2009 at 8:12 pm

  4. lieber lars,

    erlaube mir eine kritische bemerkung aus der runde an Dich zurück.

    wenngleich ich mir vorstellen kann – besser womöglich, als du denkst – daß die zugehörigkeit zur “staff” (belegschaft) in krankenhäusern sehr leicht berufsbedingte automatismen bis hin zum langsamen verschleiß von ursprünglich mit üblicher spontanität eintretender selbstkritik gegenüber eben dieser automatismenanfälligkeit mit sich führen kann,

    so sehr würde ich den (als solchen nicht unkritisierbaren) zustand in krankenhäusern bezüglich gesellschaftlicher “normen” und dem umgang gesellschaftlicher hyposysteme und subinstitutionen mit dem lebens-, freiheits-, selbstbestimmungs- und v.a. unversehrtheitsanspruch von individuen —- so sehr würde ich also auch diesen in sich schon kritikwürdigen zustand

    auf keinen fall in bezug zu bringen versuchen mit jenen automatismen, die sich in “uniformierten parallel-gesellschaften” im bezug auf eben diese ansprüche eines atmenden individuums folgekräftig und in zu häufigen fällen bis zum rechtsbruch einschleichen.

    um sich überhaupt urteile – die ja dann private blieben, auch das mußt du bedenken – erlauben zu können, müssen zuvor etliche weiteren fragen geklärt werden.

    was genau war ursache des losstürzens einer uniformierten, mit schlagstöcken bewaffneten, fett gepolsterten truppe auf einen menschen mit einem pulli, einer hose und vielleicht noch ner jacke und sonst aus haut bestehend, aus sehnen, aus knochen, all das nicht wirklich meß- und vergleichbar mit dem aussehen und auftreten heutiger einheiten.

    schlagstockbewehrte uniformpersonen, die sich auch noch in mehrzahl auf eine normalperson – unbewaffnet, in kleidern aus baumwolle – stürzen, sollten hier also schon detailliertere erklärungen für ihr verhalten zu bringen in der lage sein.

    häufig lautet die erklärung “provokation” wie z.b “beleidigung”.

    aber hier hören die fragen so schnell nicht auf. zu viele fälle des mißbrauchs genau solcher vorwürfe seitens polizisten sind (sogar nachweislich) bekannt, zu viele fälle sichtbar, in denen der “beleidigungs”-vorwurf zum reinen zeitvertreib unterbeschäftigter uniformträger wird, als da nicht ein bißchen kritischer hingeschaut werden dürfte und sollte.

    teeater

    March 11, 2009 at 8:07 pm


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