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Vollversammlung mal ohne vollen Bauch – FU-Studenten entscheiden sich für „Solidarisierung konkret“

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Vollversammlung mal ohne vollen Bauch

FU-Studenten entscheiden sich für „Solidarisierung konkret“

Früher Nachmittag an der (Werbe)Freien Universität Berlin. Soeben ist die dritte Vollversammlung seit Beginn der Besetzung des Hörsaals 1A zu Ende gegangen, die Studierenden zählen weit über 1.000 Teilnehmer. Sie haben die Ergebnisse der Arbeitsgruppen angehört, wurden über die herannahende Bildungsgipfelwoche informiert und erhielten die Einladungen der AG Ziviler Ungehorsam zu einer Bildungstribunal-Aktion vor der Bertelsmann-Stiftung am 2.12. Eine studentische Vollversammlung, an der streikende, bei ver.di organisierte Mitarbeiter des Studentenwerks zu Gast waren und verblüfft der Aufzählung von über 70 besetzten Universitäten bundesweit folgen konnten. Eine Vollversammlung an ungewohntem Ort – sie wurde spontan, anläßlich des für heute ausgerufenen Warnstreiks des Studentenwerks in die Mensa des Hauptgebäudes Silberlaube gelegt.

Foto: Anna Panek

Der Entschluß, diese Vollversammlung in die Mensa zu verlegen, fiel nach langer Diskussion erst am Vorabend, nach Auskunft institutionell erfahrener Studenten unter wachsamen Augen von Vertretern des Präsidiums, das einen Vertreter der Rechtsabteilung zu Beginn dieser Sitzung in den Saal geschickt hatte. Die Diskussion zog sich lange hin, da die Alternative (Vollversammlung nach bekannter Prozedur, mit Präsentation von Ergebnissen dieser Woche, knapp zusammengefaßt und auf eine Stunde Gesamtlänge gekürzt, mit gemeinsamem Hinübergehen zur Mensa kurz nach 13 Uhr) vielen Teilnehmern des Entscheidungsplenums sinnvoller schien: die Studierenden hatten sich lange auf diese Versammlung vorbereitet und der gemeinsame Raumwechsel sollte in der geballten Sammlung der Menschenmenge eine zusätzliche Bewegung in die Universitätsflure bringen.

Kurz nach 10 Uhr abends, als die Entscheidung endlich gefallen war, erreichte ein Anruf von ver.di den Plenarsaal mit der offiziellen Begrüßung der Umzugsidee. Vertreter dieser Lösung hatten das Abendplenum zuvor darauf aufmerksam gemacht, wie singulär das Geschehen ist: ein Streik des Studentenwerks, der mitten im Bildungsstreik, mitten in der Besetzungsphase und als Warnstreik genau während der Vollversammlung stattfindet, sollte nicht als Chance verpaßt werden, zuvor ausgesprochene und per Abstimmung bekräftigte Solidarität real sichtbar und spürbar werden zu lassen. Das Plenum beriet und begann nach Ende der Diskussionen und Planungs-Vorgespräche um Mitternacht mit den Details – neue Plakate und Flugblätter mußten entworfen und noch in derselben Nacht kopiert werden, auch die konkrete Organisation der in die FU-Hauptmensa zu verfrachtenden Technik für die Vollversammlung galt es zu durchdenken. Die FU-Studenten sind in solchen Fällen gerne sehr gründlich, vor allem, wenn gemunkelt wird, daß Medien zu erwarten sind, die während des Warnstreiks schwerlich mit Verweisen auf „Hausrechte“, „Störung universitären Lehrbetriebs“ oder „Gefährliche Kabelverlegung“ zu zensieren sein würden.

Mittenrein in das aufgeregte Umplanen platzt noch der polnische Schreiber eines ostdeutschen Regionalblatts, für den die anwesenden Studenten lachend extra für Aufnahmen in den Sitzreihen posieren – besondere Heiterkeit ruft dabei das ahnungslose Zurückwinken des fotografierenden Regionalberichterstatters aus, als die Studenten seinem Kamera-Auge das studentische Zustimmungszeichen vormachen. Sie bemühen sich nach Kräften, den medial vermittelten Kontakt zur Außenwelt vor den Unitüren nicht abreißen zu lassen – eine nicht irrelevante Aufgabe angesichts des Zusammenhangs zwischen ihren konkreten studienbezogenen Forderungen und innen-, außen- wie finanzpolitischer Entscheidungsfindung außerhalb der Hochschulwelt.

Am nächsten Morgen zeigen sich die Studenten, die sich in einem 10-Uhr-morgens-Vorplenum noch über letzte Organisationsdetails verständigt hatten, selbst überrascht über den nahtlosen Ablauf der ‘praktischen Solidarisierung’, die sie – noch als rein schriftliche Ein-Satz-Aussage – in der vorangegangenen Vollversammlung beschlossen hatten. Die Studierenendengruppen teilten sich danach rasch zu Gruppen auf die Funktionen „Plakate kleben“, „Technik organisieren“, „Dokumentation“ und „Hilfestellung gegen Streikbrecher“ auf und begannen mit nur leichter Verspätung in einem sonnendurchfluteten Raum, den sonst kühles Geschirrklappern und beherrscht-höflicher small-talk füllt. Die „Überflüssigen“ stießen als Hilfestellung zur Hilfestellung gegen Streikbrecher noch hinzu und fegten letzte studentische Querulanten und sture wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Mensa-Kassenraum, die sich noch Hoffnungen auf ein Mittagessen nach Fahrplan gemacht hatten. Danach konnten die noch unorganisierten Mitarbeiter den Kassenraum endgültig dichtmachen.

Andre Pollmann, ver.di-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich für Bildung, Wissenschaft und Forschung, freut sich über die „spontane Kettenreaktion“ des Tages. „Es hat ja niemand von uns genau gewußt, was genau passiert und wie es ablaufen wird. Die Entscheidung des Vorabends war nur eine vage Planung – daß es schließlich so erfolgreich wurde, war für uns alle überraschend.“ Pollmann (im verlinkten Bild mittig mit Flüstertüte) plädiert für eine stärkere Vernetzung zwischen studentischem und gewerkschaftlichem Protest, er verweist auf ihren gemeinsamen Nenner: „der Protest der Studenten ist die notwendige Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen, deren Auswirkungen wir alle spüren“.

apk

2 Responses

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  1. anläßlich des folgenden kürzlich gelesenen:

    “…ich bin von der AG Ziviler Ungehorsam und möchte Euch bitten, folgende Aktion zu bewerben:

    Bertelsmann-Tribunal
    02.12.09 13:00
    Unter der Linden 1, Berlin

    Der Bertelsmann Konzern und sein Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) gelten auch als heimliches Bildungsministerium. Sie betreiben neoliberale Meinungsmache und treiben Privatisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen voran, so auch in der Bildung. Bei diesem Tribunal wird ihr massiver Einfluss in der Bildungspolitik offengelegt.

    Danke und liebe Grüße,

    N. …”

    fügen wir das als nach-update hier rein. die veranstaltung ist zwar in unserem text als termin bereits vermerkt, aber unsere leser freuen sich auch über die konkreteren details zu ort und datum (das an der FU in analoger flugblattform derzeit schon erfolgreich die runde macht)

    teeater

    November 28, 2009 at 10:14 pm

  2. […] footer and finish comment. to be honest, usually we have no time for stuff like this, we’re not a medium with tendency for BILD-like contents (maybe with the exception of our exclusive “wikinews030 im BILDe“, our superspecial extraordinary Ramsch-page). we finally simply had to  include this “FU sexparty” article because the mentioned strange doc on wikileaks.org simply got on our nerves for app. 3 weeks now and we felt like – due to all these hot topics in the last time attracting new readers to the mentioned platform – it may be good to publish a comment about this file. but – if you also prefer something more interesting to read about the FU, please feel free to follow our link recommendation. This will guide you to a topic about a Besetzung instead of a “Party” and about students being able to read and write, so maybe you will also find this a bit more interesting, making sense, logical and simply more worth a media content entry than this quite-a-strange stuff above.  Or you are interested in other extremely spannend events in the FU? Perfect, how about this event, then. […]


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