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Besetzte FU: Umsetzung oder die Kunst der Überzeugungs-Strategie

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Umsetzung oder die Kunst der Überzeugungs-Strategie

FU-Studenten gehen in die Umsetzungsphase. Wie vermitteln sie ihrem Präsidium, daß ihre Forderungen diesmal schwerlich in den Papiermüll passen werden?

Diesiges Wetter, Mittwochnachmittag, den besetzten Plenarsaal an der FU füllt das leise Klicken von Tastaturen. Auf den Monitoren erscheinen die Adminseiten universitärer Protestlisten, der Administrationszugang zu bildungsstreik-berlin.de, ab und an klicken Studenten auch auf die „letzten Anderungen“ des angeschlossenen und bundesweit vernetzten Wikis. Was tut sich hier, zwischen Klickgeräuschen und leisen Direktgesprächen zwischen AG-Vertretern, Veranstaltungsorganisatoren, Voküköchen und diversen hilfsbereiten und regelmäßig vorbeischauenden weiteren Studenten?

Bei der letzten Vollversammlung in diesem Hörsaal, der zweiten seit Beginn der Besetzung, haben die Studenten ihren schon-Bachelor-Leidenskollegen und noch-immer-Magisteranwärtern ein Konzept vorgestellt, mit dem sie die studentischen, FU-internen und doch die gesellschaftlichen Verhältnisse direkt widerspiegelnden Hauptforderungen zur Umsetzung bringen wollen. Für die (morgige/heutige->ist am Donnerstag) 3. Vollversammlung ist die Vorstellung erster Ergebnisse der am Dienstag offiziell eingeläuteten stille Umsetzungs-Kampfphase eingeplant. Den Studenten ist es sehr wichtig, ihre Besetzung allwöchentlich von ihrer Basis abstimmen und sich damit das klare grüne Licht für die Fortsetzung ihrer Arbeit allwöchentlich bestätigen zu lassen.

Zu den stärksten Forderungen gehört an der FU der Kampf gegen Anwesenheitskontrollen, die arbeitenden („jobbenden“) Studierenden sowie Studierenden mit Kindern die Teilnahme am universitären Arbeitsalltag und schlicht den Abschluß ihres Studiums erschwert, in besonders betroffenen Fällen sogar unmöglich macht. Gleichzeitig schwelt in dieser Forderung der Kampf um eine stärkere Selbstbestimmung des Studiums mit – Studenten, die in Bibliotheken lieber gründlich an Hausarbeiten arbeiten als sich in schnell gebastelten Referaten zu verlieren oder in Seminardiskussionen zu zerfasern, die als Wissensanwerbungsmittel spätestens in der letzten Studienphase durchaus ermüden können, unterstützen diese Forderung daher mit Nachdruck.

Die Studenten teilen die Kampfpunkte in „Schwerpunkte der Woche“ ein. Die zweite schwere Forderung des Katalogs, der Druckaufbau gegen die fortschreitende Verschulung des Studiums nach seiner Einführung in den einzelnen Instituten, wendet sich gegen „Leisstungskontrollen“, unter welchem Begriff sich Klausuren und Zwischentests in Studienjahre eingeschlichen haben.

Forderungen dieses Stils sind, so die Studenten, von der Institution Universität in kürzester Zeit einlösbar – es handelt sich hier um „reine Formalien“, wie bei ihren Abendplena immer wieder zu hören ist, die bis zum Beginn der offiziellen Bildungsgipfel-Woche an der FU täglich um 18 Uhr stattfinden, sich danach an 18h-Veranstaltungen im besetzten Hörsaal anschließen. Sie beziehen sich bei dieser Bezeichnung auf mehrere Argumente: einerseits sei die Einführung von Anwesenheitspflicht und -kontrollen ebenfalls eine solch rasch durchgedrückte Formalie, andererseits zeigen die Erfahrungen in verschiedenen Instituten, wie stark sich auch Professoren und Dozenten vereinzelt gegen die Idee eines reinen Seminarsitzstudiums wehren – auf Unterschriftenlisten wird in einigen Seminaren stellenweise ganz verzichtet, stellenweise werden sie so geführt, daß ein Student leicht Veranstaltungen nachtragen kann. Andere Dozenten wiederum atmen auf, wenn auch ihre Liste „endlich geklaut wurde“, eine seit Jahren von findigen Studenten fortlaufend gepflegte Durchsetzungsstrategie. Den Studenten geht es nun darum, den Dozenten auf ihrer Seite den gewünschten Verzicht auf Anwesenheitslisten zu erleichtern, indem er endlich legitimiert wird, den hörigen Dozenten wiederum durch die Abschaffung der Anwessenheitspflicht ein weiteres Erschweren ihres Studiums zu unterbinden.

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