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Szenen einer Sitzung – Dringlichkeitssitzung des Akademischen Senats der FU zu Lenzenfrage und studentischen Forderungen (30.11.09)

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Szenen einer Sitzung

Momentaufnahmen einer Sitzung des Akademischen Senats an der (Werbe)Freien Universität Berlin.

Die hier besprochene Sitzung wurde in einer nur leicht gerührten und ungestreckten (also unverlängerten) Form abgehalten: nennen wir es eine AS-Sitzung on ice. Datum: 30.11.2009, eine Dringlichkeitssitzung anläßlich des aktuellen Bildungsstreiks, Ort und Zeit genauer: AS-Saal im Henry-Ford-Bau der FU, Mitten im Bildungsstreik und während der weiterhin andauernden Besetzung des Hörsaals 1A im Hauptgebäude Silberlaube. Zeitgleich zum noch immer nicht offiziell ausgerufenen Interregnum an der FU, das de facto bereits am 11.11.09 eingeläutet wurde, durch die Publikation eines über Pläne des ex-Präsidenten Lenzen aufklärenden taz-Artikels vom Tage der studentischen Vollversammlung, mit der die Besetzung vor bald drei Wochen begann)

Erste Szene:

Seit wann entscheiden Studenten über Präsidiumssitze?

Die für den letzten Novembermorgen dieses Jahres anberaumte Dringlichkeitssitzung des Akademischen Senats der FU wurde eingeleitet vom mittlerweile landesweit bekannten Problem der unklaren Leitungssituation an der Freien Universität, nachdem ex-Präsident Lenzen Mitarbeiter des ehemals von ihm geführten Universitätsunternehmens (das ab jetzt erste zaghafte Versuche einleiten kann, langsam den Status einer Universität zurückzuerlangen) mit dem spontanen Wechsel seines zentralen Interesses überraschte (und damit hunderte Hamburger Studenten in einen temporären Schockzustand beförderte). Mehrere Mitglieder des Akademischen Senats bemängelten die mangelnde Information seit seinem Bewerbungsentschluß, der sich in ihren Augen bis heute fortpflanzt – so wurde unter anderem scharf kritisiert, daß bis heute eine klar formulierte Pressemitteilung zum aktuellen Stand auf der Präsidiumsetage fehlt.

Mehrere AS-Mitglieder äußerten sich stellenweise scharf und deutlich zur jetzigen unsicheren Situation und wiesen darauf hin, daß Lenzen bei längerem Schweigen der Freien Universität schade. Nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, auch intern sei nicht klar, welche Interessen er derzeit vertrete. Um weiteren Schaden von der FU abzuhalten, werde eine klare Rücktrittsaufforderung benötigt. Nachdem – wie bei solchen Sitzungen üblich – über die Direktheit der Formulierung eine Weile herumdebattiert wurde, rang sich der AS schließlich doch eine Beschlußformulierung ab, in der die ursprünglich beantragte Rücktrittsaufforderung an Lenzen zwar auch mit sehr viel gutem Willen nicht mehr zu erkennen ist, in der der AS sich jedoch immerhin den Präsidenten zu fragen traut, wie den nun seine Entscheidung laute. Welch gewagter Schritt. Durch die Konfrontation mit jahre-, ja jahrzehntelangem Kampf um studentisches Mitbestimmungsrecht deutlich abgestumpft, inmitten einer europaweiten Universitätsbesetzungswelle standhaft ungerührt, behält der Akademische Senats seine Vorstellung bei, nach einer Ausschreibung der Universitätspräsidentenstelle eine Findungskommision einzuberufen, die kaum größer sein wird als 8 Personen (in größeren Gruppierungen könne, so ein AS-Mitglied, nicht „vernünftig gearbeitet werden“) – und dort in trauter und geselliger Runde über die zukünftigen Geschicke auf der Präsidiumsetage zu entscheiden.

Wir werden ja kaum eine studentische Vollversammlung den Präsidenten wählen lassen“, raunt hörbar warnend AS-Mitglied K. durch den Saal. Die gesuchte trockene Süffisanz will jedoch in dem Raum, in dem viele aufmerksame Studenten ohne Rederecht mit studentischen Handzeichen den Fortgang des Gesprächs kommentieren, nicht so recht gelingen.

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Zweite Szene:

Runder Tisch oder die Quadratur des Dreiecks pyramidaler Konstrukte

Runder Tisch“ – seit drei Vollversammlungen bereits fasziniert der Begriff die Gemüter und läßt Hoffnungen aufkeimen – in universitären Gremien sonst seltene Nomen wie „Offenheit“, „Diskussionsbereitschaft“, „Hinhören“ und sogar Formulierungen wie „Nach Lösungen suchen“ machen die Runde. Ein Begriff, der Vorstellungen von egalitären Rederechten, Gleichberechtigung und konstruktivem Aufbruch rostender Machtkonzentration evoziert. „Redemokratisierung der Hochschule“, hallt es vielversprechend durch den Raum und erzeugt viele Echos. Stürzt hier eine Pyramide? Oder wird hier nur zu einer vierseitigen umgeformt? Wie angemessen verwendet wird der Begriff, wenn der ‘runde Tisch’ schließlich in dasselbe enge Tisch-Eck des AS-Sitzungssaales versetzt wird, mit Platz für kaum 20 Teilnehmer? Der Vorschlag eines studentischen redeberechtigten Vertreters, den „runden Tisch“ im Hörsaal 1A einzuberufen, wird leider – an dieser Stelle sehr im Sinne der präsidialen Sitzungsleitung – von der eigenen studentischen Sitzungskollegin abgeschmettert, gleichzeitig wird auch eine Uhrzeit festgesetzt, die gleich doppelt sicherstellt, daß das „runde“ Tischeckchen von nicht allzu vielen „umrundet“ wird – Interessierte können sich auf 8 Uhr früh am kommenden Montag (7.12.) freuen. In der entschärften Form (Feststellung, daß der runde Tisch keinesfalls ein entschlußfähiges neues Gremium sein darf, sondern reinen Gesprächscharakter haben und behalten soll) wird der ursprünglich von Prof. Funke eingebrachte und nun um seine letzten Zähne gebrachte Vorschlag vom Akademischen Senat angenommen.

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Dritte Szene:

Der Akademische Senat empfiehlt sich

Neben dem zahnlosen „Runden Tischeck“, der sich endgültig erst nächste Woche wird darauf prüfen lassen können, ob ihm noch eine neue Zahnreihe wachsen kann, gelang den Studenten bei dieser Sitzung wenigstens ein empfehlender Satz, der – es gibt solche Sätze – bereits Jahre an Anstrengung und Aktivität gekostet hat und auch diesmal noch lange nicht das angezielte Ergebnis zu bringen in der Lage sein wird. Trotzdem läßt sich nicht verheimlichen, daß der Satz ein erster Schritt und erster Beginn einer Verständigung sein kann. Die Studenten erreichten die Empfehlung des AS an die Fachbereichsräte, bei dem „nun in Gang kommenden Reformprozeß der Bachelor- und Magisterstudiengänge“ detaillierter und kritischer als bisher zu prüfen, bei welchen Veranstaltungsarten tatsächlich eine Anwesenheitspflicht unverzichtbar ist. Darin erschöpfte sich aber auch – inmitten einer Welle von Universitätsbesetzungen, trotz aktuellen Stunden auf Bundestags- und Länderebene – die Geduld des Gremiums. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Anwesenden 4 Stunden lang debattiert, der Antrag auf die Terminfestlegung einer Folgesitzung, in der eine Reihe an diesem Tag unbesprochen gebliebener studentischer Forderungen auf die Tagesordnung sollte, wurde schlicht ignoriert, die Sitzung unter studentischem Protest (es wurde der abends zuvor im besetzten Hörsaal für einen solchen Fall der Fälle getextete Song „Der AS, der AS, der hat immer Recht…“ gesungen) beendet.

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Den Ergebnissen dieses Morgens werden die Studenten selbst schwerlich anders als gespalten gegenüber stehen können. Einerseits läßt sich nicht verheimlichen, daß die studentischen Stimmen heute anders gehört wurden als zu Zeiten gefestigter Machthierarchien unter Lenzen und in ruhigen, streiklosen Zeiten. Sicherlich haben die Studierenden nun etwas, was ihnen allen am Herzen lag – erste präsentierbare, wenn auch noch sehr zaghafte Ergebnisse. Einer ihrer Hauptforderungen sind sie nun ein kleines, ein Trippel-Schrittchen näher gekommen. Ihre studierenden Kollegen werden die Empfehlung zum Anwesenheitsplichtverzicht, der in den vergangenen Jahren immer lauter eingefordert wurde, mit Erleichterung lesen – ein ganzer Katalog weiterer, nicht minder drängender Forderungen steht jedoch noch vor ihnen und drängt auf Befassung. Sicherlich ist der Rahmen eines Tischeckchens nicht der „Runde Tisch“, der die studentischen Anliegen angemessen zu Sprache und Geltung hätte bringen können –  sie werden ein gehöriges Stück Energie investieren müssen, um am kommenden Montagmorgen die Ecken des Tischchens wenigstens ansatzweise anzurunden.

apk

edit wn030 – nach dem abendplenum des 30.11. im besetzten hörsaal 1A teilen die studierenden mit, daß sie sich bemühen wollen, den runden tisch bei ausreichend großer teilnahme am kommenden montagmorgen in den henry-ford-audimax zu verlegen. ort und zeit daher für alle interessierten an dieser stelle: nächster montag, 7.12.09, 8h. empfohlener treffpunkt dafür: sonntagabends zum abendplenum zwischen 18 und 20 uhr. die studierenden teilen mit, daß im hörsaal das dach noch nicht durchregnet, die heizung noch läuft, daß (wenn der vokükoch gnädig gestimmt ist) gelegentlich ein bissen verpflegung  für besucher abfallen kann und generell  eine anschließende übernachtung immer noch besser ist, als in dunkler, kalter, winterlicher morgenstunde müde und schlaftrunken von “der stadt aus” zum runden tisch loszuziehen.

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edit: am 2.12. wird beim abendplenum eine änderung der o.a. sitzverteilung mitgeteilt

edit 2 (8.12.) – das erste treffen des runden tisches ergab a) einen themen-fahrplan für die nächsten wochen und b) die erkenntnis, daß es zu viele drängende themen sind, als daß ein termin pro woche reichen würde. seit dem 7.12. trifft sich der runde tisch an der FU daher zweimal wöchentlich, montags früh sowie freitags nachmittags. hier sind alle weiteren details zu finden (genaue termine, raumangaben, liste der am 7.12. beschlossenen themen)

shortlink: http://wp.me/psdI6-By

Written by wn030

November 30, 2009 at 6:08 pm

6 Responses

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  1. nachtrag: PM 30.11.09 aus freiburg:

    <<>>

    *PH Freiburg brennt!*

    Die Studierenden der PH Freiburg besetzen die Aula und bestätigen damit die katastrophalen Zustände an der so genannten ‘University of Education’.

    Am Montagmittag, den 30.11.2009, stimmt die studentische Vollversammlung der PH Freiburg mit über 600 Stimmen für eine Besetzung. Die katastrophalen Entwicklungen der Hochschule sind in einem Positionspapier (siehe Anlage) abgestimmt worden. Diese Positionen und Forderungen sollen Rektor Ulrich Druwe, aber vor allem dem zukünftigen Ministerpräsidenten mit Nachdruck ‚näher’ gebracht werden. Dies ist für Freiburg nur der Einstieg in die bundesweite Bildungsstreikwoche. Am Mittwoch soll der Protest mit einer Demonstration weiter auf die Straße getragen werden.

    An den baden-württembergischen PH’en soll zum Wintersemester 2010/11 ein Großteil der *Lehrerabordnungen* gestrichen werden. Dies bedeutet einen massiven Qualitätsverlust, da die langjährige Erfahrung abgeordneter Lehrer_innen elementar zur Lehrer_innenbildung beiträgt. “Lehrerabordnungen an den Pädagogischen Hochschulen müssen von der Landesregierung weiterfinanziert und damit erhalten werden”, fordert Tom Peters, UStA Vorstand.

    Die öffentliche Finanzierung von Hochschulbildung – insbesondere im Blick auf die Pädagogischen Hochschulen – wird seit 1995 stetig heruntergefahren. ‘Wir klagen die schwarzgelbe Landesregierung an, dass sie den Solidarpakt II unterwandert und damit bricht’; dies ist eine der zentralen Aussagen im Positionspapier der Studierenden.

    “So geht es schon lange nicht mehr um die ‘Verbesserung von Lehre’, sondern um die bloße Aufrechterhaltung des Pflichtangebots”, bestätigt Annika Greuter ebenfalls Mitglied des UStA Vorstands. “Stellen, die aus Studiengebühren finanziert wurden, werden ersatzlos gestrichen. Notstandsverwaltung in den Instituten ist alltäglich geworden.”

    Mit ihren Forderungen wenden sich die Besetzer_innen, die sich von Rektor Ulrich Druwe in keinster Weise vertreten fühlen, direkt an den zukünftigen Ministerpräsidenten. Wissenschaftsminister Frankenberg reagiert kaum auf die Besetzungswelle im Land und spricht von ‘Nachbesserungen an den Bachelor- und Masterstudiengängen’, die im März kommenden Jahres überhaupt erst diskutiert werden sollen.

    “Wenn ein Wissenschaftsminister seine Verantwortung auf derart zynische Weise missbraucht, müssen politische Entscheidungen eben mit seinem Vorgesetzten verhandelt werden”, äußert sich Tom Peters. “Damit steht der Ministerpräsident in der Verantwortung, so viel finanzielle Mittel und Ressourcen für die Hochschulen freizumachen, dass das Lehrangebot an den Pädagogischen Hochschulen im Land aufrecht erhalten werden kann.”

    Mit diesen Positionen steht die PH Freiburg nicht alleine da. Allein in Baden-Württemberg bleiben weiterhin Hochschulstandorte in Tübingen, Karlsruhe, Ludwigsburg, Esslingen, Reutlingen, Weingarten, Konstanz, Heidelberg und Freiburg besetzt, um mit elementaren Anliegen einen politischen Kurswechsel anzukurbeln. „Wir werden später in diesem Bildungssystem arbeiten und klagen die Einsparungspolitik der Landesregierung an. Diese ruiniert nicht nur PHen und Universitäten, sondern auch die Schulen in Baden-Württemberg“, fügt Annika Greuter abschließend hinzu.

    Das Alternative Vorlesungsverzeichnis für die Bildungsstreikwoche an der PH Freiburg gibt es in digitaler Form unter:

    http://www.ph-freiburg.com

    Anlage: Grundsatzpositionen

    Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

    Tom Peters (UStA Vorstand) unter: 0761 / 682 – 370


    Für Solidarität und FREIE BILDUNG!

    Homepage der Studierendenvertretung der PH Freiburg:

    http://www.usta-ph.de

    Aktuelle Termine: http://termine.usta-ph.de
    _____________________________________________
    UStA PH Freiburg
    Höllentalstraße 2
    0761/682370 (Vorstand)
    0761/682618 (Sekretariat)
    Postanschrift:
    Kunzenweg 21
    79117 Freiburg

    teeater

    November 30, 2009 at 9:29 pm

  2. !!! ÄNDERUNG ZUM RUNDEN TISCH. termin BLEIBT. treffort bleibt auch. aber zur “zusammensetzung und gewichtung der bildungsklassen” hat sich in auseinandersetzung mit der am 1.12. im abendplenum an der FU seitens mehrerer studenten geäußerten kritik etwas getan. es werden KEINE 12 studierende als herausgehoben redeberechtigte bestimmt.

    details:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Alternativmitschrift_abendplenum_2.12.09#runder_tisch

    edit 4.12.09 – und wieder retour. siehe link, am folgetag knicken die studis wieder ein und stimmen variante 18:12 zu:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Tageszusammenfassung/03.12.#Runder_Tisch

    oder doch nicht?

    edit 4.12. abends:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/KOMMENTAR_ZUM_RUNDEN_TISCH_2_-_AW_VON_MB

    ein weiteres protokoll v. 2.12. erinnert die studenten: runder tisch soll offener runder tisch bleiben:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Tageszusammenfassung/02.12.#Runde_Tische

    neu: https://wikinews030.wordpress.com/2009/11/30/szenen-einer-sitzung-dringlichkeitssitzung-des-akademischen-senats-der-fu-zu-lenzenfrage-und-bildungsstreik-30-11-09/#comment-230

    urgent edit 6.12. 0:30h. aus noch ungeklärter ursache ist das berliner bildungsstreik-wiki seit der nacht des 5.12. nicht zu erreichen. es wird noch nach der ursache gesucht, details hierzu, sobald wir [wn030] genaueres wissen. —- edit 2:30: seit 2 uhr ist das problem behoben, das berliner bildungsstreik-wiki lebt wieder, die o.a. links sind nun problemlos zu erreichen. sollten in zukunft ausfälle wie dieser wieder vorkommen, so wurde dafür in der zwischenzeit auf “wikibildung” ein safetybelt eingerichtet. bitte informiert euch ggf. dort, wenn jemals wieder auf bildungsstreik-berlin.de/wiki nichts zu gehen scheinen sollte. der speicherplatz für die wichtigsten inhalte ist über die hauptspalte und den eintrag “berliner bildungsstreik-wiki im exil” zu erreichen und faßt natürlich nur einen bruchteil der zu restaurierenden inhalte – aber immerhin.


    edit 7.12.09 nach der ersten sitzung des runden tisches.
    protokoll der ersten sitzung und “fahrplan” für die nächsten sitzungen (ab jetzt 2x/woche, mo 8h und fr 16h) sind unter dem folgenden link zu finden:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Runder_tisch_an_der_FU_am_7.12.2009

    teeater

    December 2, 2009 at 9:02 pm

  3. PM des ABS zur Räumung in Frankfurt vom gestrigen Abend:

    Solidarität mit den Frankfurter Besetzer_innen – keine Polizeigewalt an Hochschulen!

    Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) solidarisiert sich mit allen Besetzer_innen des gewaltsam geräumten Casinos der Universität Frankfurt und kritisiert die Kriminalisierung des Protests durch die Universitätsleitung scharf.

    Bei der gestrigen Räumung des seit Montag besetzten Casinos wurden über 100 Besetzer_innen gewaltsam aus den Universitätsgebäuden gedrängt. Studierende, die sich mit den Besetzer_innen während und nach der Räumung solidarisierten, wurden mit Schlagstockeinsatz vom Unicampus gejagt. Dabei fanden sexuelle und rassistische Übergriffe statt, 5 Studierende mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

    “Wir kritisieren den massiven Aufmarsch und den unverhältnismäßigen Gewalteinsatz der Polizei auf dem Campusgelände aufs schärfste. Die Universität Frankfurt ist wie alle Bildungseinrichtungen ein Ort der Reflexion und Diskussion, an dem Gewalt gegenüber Demonstrierenden völlig unangebracht ist. Statt ihre eigenen Studierenden zu räumen, sollte sich die Unileitung mit dem Protest und seinen Forderungen auseinandersetzen!“, fordert Alexander Lang, Sprecher des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren.

    Als Reaktion auf die brutale Räumung forderten die Besetzer_innen den Rücktritt des Universitätspräsidenten, Müller-Esterl, der den Befehl zur Räumung gab.

    „Die Räumung der Frankfurter Besetzung stellt eine neue Qualität der Gewalt und Rücksichtslosigkeit von Polizei und Hochschulleitung dar. So schnell, so brutal und ohne Verhandlungen wurde europaweit noch keine Hochschulbesetzung geräumt!“, kritisiert Christina Schrandt, auch Sprecherin des ABS.

    Bundesweit gibt es Solidaritätsbekundungen, an vielen Orten fanden gestern spontane Aktionen gegen die Räumung statt. Auch in Frankfurt geht es weiter – für heute Abend ist schon die nächste Demonstration angekündigt.

    „Wir fordern die Hochschulleitung der Uni Frankfurt dazu auf, alle Strafverfahren gegenüber den Besetzer_innen unverzüglich einzustellen!“, erklärt Schrandt abschließend.

    Sie erreichen die GeschäftsführerInnen Alexander Lang und Christina Schrandt per Email an abs@studis.de.

    edit wn030: in potsdam ist für freitag seine solidaritäts-demonstration angekündtigt:
    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Solidemo_gegen_R%C3%A4umung_in_Frankfurt

    teeater

    December 3, 2009 at 12:02 pm

  4. edit wn030n an den google-crawler. liebes google. ja, auch wikinews030n hat etwas von “drehverboten an der FU zu beginn der besetzungszeit” gehört. aber da geh hin und mach aus sowas einen beitrag:

    http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Recherchenotizen9q35798349812384

    teeater

    December 3, 2009 at 10:20 pm

  5. nachtrag. am 5.12. flattert noch eine die o.a. debatte zum runden tisch klärende einladung mit zusatz-terminchen ein:

    Liebe Leute,

    am Montag, dem 07.12.09, um 8.00 Morgens findet im AS-Sitzungssaal der FU (Henry-Ford-Bau) ein offener Runder Tisch Statt. An ihm sollen die Probleme und Problemlösungsansätze zur “Studienreform” an der FU offen auf den Tisch kommen. An diesem Runden Tisch können und sollen sich alle, insbesondere auch studentischen Mitglieder der FU beteiligen.

    Hierfür findet am Sonntag, dem 06.12.09, um 20.30 ein offenes Vorbereitungstreffen von Studierenden Statt. Treffpunkt wird der Hörsaal 1a sein.

    Alle, die sich daran beteiligen wollen, sind aufgerufen, zu diesem Vorbereitungstreffen und zum Runden Tisch selbst zu kommen.

    Mit besten Grüßen

    Mathias Bartelt

    teeater

    December 5, 2009 at 2:25 am

  6. nachtrag wn030: am 5.12. erreicht uns ein offener brief der eltern von schülern, die von der mitte november erfolgten räumung der zweiten in deutschland besetzten schule (nach dem albert-einstein-gymnasium in berlin als erste besetzte schule der besetzungswelle herbst/winter 2009) betroffen waren.

    der offene brief der eltern an die schulleitung der düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule ist – mit einer kopie des zeitungsbeitrags der düsseldorfer stadtpost vom 18.11.2009, einer pdf-version des offenen briefs sowie einer unterschriftenliste hier zu finden:

    http://www.bildungsstreik-berlin.de/wiki/index.php/Polizeieinsatz_in_einer_schule_in_d%C3%BCsseldorf

    teeater

    December 5, 2009 at 3:32 pm


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