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One Hour Translation: Einfach nur ein “nettes kleines Unternehmen”? (Biz/Wirtschaft/Arbeitsrecht)

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(wn030-8 und wn030-5) One Hour Translation (OHT) – ein Unternehmen, das wir eine Zeitlang, wenn auch unauffällig, leicht unterstützt und sogar um die Ecke beworben haben, überraschte uns heute mit einem Auftritt, der einen Textbeitrag und eine Neubewertung der Frage, ob das Unternehmen als ein empfehlenswertes bezeichnet werden kann, dringend nötig macht.

Aufmerksam auf Mißstände im Umgang mit den Zuarbeitern des Unternehmens (Übersetzern) sind wir  vor wenigen Wochen geworden, als Zuarbeiter uns über eine seltsame Neuerung im Unternehmen informiert hatten. OHT hatte  im Frühsommer dieses Jahres der “Belegschaft im Keller” mitgeteilt, dass nunmehr Umsonst-Arbeit angesagt ist, wer im Netzwerk “sich behaupten” und “erfolgreich” sein oder werden will.

Kurz nach dieser Ankündigung erschien auf der Webseite von OneHourTranslation ein unauffälliger kleiner Hinweis. OHT teilte mit, es verfüge jetzt über eine “patentierte Methode” zur Qualitätssicherung der Lieferungen dieses Unternehmens. Wir wurden aufmerksam und begannen, Kontakte zu den Übersetzern im Netzwerk zu sammeln.

Was wir bisher erfuhren: bei der “patentierten” Methode handelt es sich um reine schlichte Kommentar-Textfelder, in die Übersetzer – unter Rückgriff auf ihre Ausbildung, ihre Erfahrung und Kenntnisse – Bewertungen anderer Übersetzungen abgeben. Dies, wohlgemerkt, kostenfrei. One Hour Translation behauptet offiziell, hierbei handele es sich um nichts weiter als eine freiwillige zusätzliche Zuarbeit. Gleichzeitig jedoch vergibt OHT, damit wurde nach Auskunft von Übersetzern im Netzwerk kurz vor dem Beginn der Umsonstservice-Aufforderung begonnen, sogenannte Status-Punkte. Der Status eines Übersetzers steigt nur dann, wenn er brav kooperiert, also Umsonstdienste leistet. Und nur dann, wenn sein Status steigt, erhält er ein Recht auf einen eventuellen Auftrag. – Freiwillig?

Diese Strategie wurde kurz nach Start der “patentierten” Kommentarfelder, in die Übersetzer Ergebnisse unbezahlter Arbeit eintragen dürfen, in einem Fachforum für Übersetzer (Proz.com) heftig diskutiert.

Die Antworten auf die Anfrage an Fachleute, wie groß die Bereitschaft zu einem solchen Mißbrauch eigener Arbeitskraft sei, war einhellig und aufschlußreich. OneHourTranslation wurde auf dem Umweg über das Proz.com-Forum, dessen scharfe Diskussionen Monate zuvor über ihre frühe Preisgestaltung (somit Bezahlung der Arbeitskräfte) nicht zum kleinen Teil zu der Neuberechnung der Preise bei OHT geführt hatten, bezüglich der aktuellen Neuerungen auf für das Unternehmen unangenehme Tatsachen hingewiesen. OHT versucht, sich an einem Markt zu behaupten, indem es sich mit einem Briefkasten-Fuß in New Yok, mit dem anderen in Israel aufstellt. Der Fuß in New York jedoch könnte sich für das Unternehmen als minder vorteilhaft, oder konkreter: als minder zukunftsfähig erweisen. Amerika verfügt zwar noch nicht über stark ausgebaute gewerkschaftsähnliche Strukturen für Freiberufler, eine Interessensvertretung für Übersetzer jedoch ist vorhanden und wird international anerkannt, die American Translators Association (ATA). Wer als Unternehmen am Markt nicht nur bis zur zweiten Startphase durchreifen will, sondern dort auch bleiben und überleben will, sollte nicht blauäugig versuchen, ATA’s Code of Conduct zu umgehen, als wäre er plötzlich unsichtbar.

Genau dies unternimmt OneHourTranslation seit dem Start ihrer “patentierten Kommentarfelder”, aka kostenfreie Bewertungsgutachten von Übersetzern. Mit der derzeitigen Gestaltung ihrer Business-Strategie ist eine Aufnahme bei ATA kaum wahrscheinlich. Am Markt ohne diese Mitgliedschaft zu wachsen, noch weniger.

Um Licht in die Situation zu bringen, wurde ein temporärer Korrespondent darum gebeten, der Leitung des Unternehmens in Israel Fragen ins Büro vorbeizubringen, in denen sie sich zu den Vorgängen äußern können. Trotz der bestätigten und akzeptierten Ankündigung des Termins und der Zusage von OneHourTranslation, zu diesem Termin die Fragen in Empfang zu nehmen und zu beantworten, wurde unserem temporären Korrespondenten im Büro des Unternehmens von Ofer Shoshan mitgeteilt, er “wüßte nichts” von dem Termin. Weshalb das Unternehmen eine derart offensichtliche Furcht vor unangenehmen Fragen verspürt, ist uns noch unbekannt, aber wir bleiben auch an diesem Thema weiterhin länger dran, vielleicht erfahren wir dazu Näheres. Dass die Beantwortung unangenehmer Fragen für ein Unternehmen immer besser ist als die verzweifelt wirkende Hoffnung, der Bruch des ATA-Code of Conduct ließe sich unter den Teppich kehren, müsste der Leitung und selbst dem zum Sprecher auserwählten Ofer Shoshan bekannt sein, genau das gehört zu den Grundkenntnissen von PR-Verantwortlichen, üblicherweise. Wir sind von der heutigen Antwort-Verweigerung noch selbentags in Kenntnis gesetzt worden.

Während unserer Vor-Recherchen zu diesem Thema – als noch der passende Termin vor Ort für die Übergabe der Fragen gesucht wurde – setzen wir uns mit weiteren Übersetzern bei OHT in Verbindung. Was wir erfahren haben, wirft in seiner Gesamtheit kein gutes Licht auf das Unterehmen. Wir erfuhren von einem Fall, in dem ein Spanisch-Übersetzer den Auftrag zu einer Übersetzung im vierfachen System-Tempo erhielt (bestimmte Aufträge werden auf der Leitungsetage mit den Kunden besprochen und erst dann an die Zuarbeiter weitergeleitet. Bereits das übliche “System”-Tempo straft einen jeden Kunden, der hierbei echte Qualität erwartet, Lügen ob dessen eigener Management-Fähigkeiten. Hier jedoch wurde ein ‘extra und gesondert’ besprochener Auftag schließlich mit der Auflage des 4fachen System-Tempos von OHT akzeptiert und weitergeleitet). Anschließend wurde selbiger Übersetzer sang- und klanglos vom Geschäftsführer des Unternehmens (Yaron Kaufmann) gefeuert.  Nicht weil der Auftrag nicht ausgeführt worden wäre. Sondern aufgrund Wochen später geäußerter clever-business-ideas des zahlenden OHT-Kunden, der mit der Begründung von “Qualitätsmängeln” der 4fachTempo-Übersetzung das ausgegebene Geld wieder zurückholte. Und OHT spielte mit. Die eigene Verantwortung für das Akzeptieren eines unerfüllbaren Auftrags, dessen Weiterleiten an einen Zuarbeiter, im Wissen, dass bei einer solchen Auftragsformulierung jeder Anspruch auf “Übersetzungsqualität” verloren gehen muss, das anschließende Akzeptieren einer “Beschwerde” des Kunden wurde anschließend, um selbst sauber zu bleiben und keine Verantwortung tragen zu müssen, mit der Entlassung des Übersetzers beantwortet (totale Sperrung seines eigenen Accounts  mit Löschung des dort befindlichen Guthabens. Ob der Übersetzer die ausstehende Zahlung erhalten hat, ist uns nicht bekannt. Wir haben nur die Aussage zur Nachzahlungsabsicht*** erhalten).

Damit der betroffene Übersetzer über diese beeindruckende Geschäftsführungs-Leistung nicht allzuviel Wind machen kann, wurde er anschließend, als er sich im Unternehmens-Forum zu Wort meldete, klammheimlich stummgeschaltet. Der Geschäftsführer teilte damals zwar mit, dies sei ein Sonderfall und das erste Mal, das ein Forumteilnehmer schlicht “abgeschaltet” werden musste, doch die Idee, Menschen lassen sich – bei gleichzeitiger Selbstwerbung, man wisse Human Quality Übersetzungen zu schätzen – “abschalten”, muss ab diesem Augenblick der Geschäftsführung gefallen haben. Übersetzer berichten uns jedenfalls von weiteren Vorfällen. Ebenfalls zur selben Zeit mehrten sich Stimmen im Forum, die Unternehmensleitung entziehe sich merklich immer häufiger Antworten bei auftretenden Problemen, auch der Mailverkehr werde vom Unternehmen offensichtlich nicht mehr beherrscht. Diese Stimmen erhielten alle eine einmalige kurze Antwort (“wir kümmern uns darum”), waren aber nach ihrer Wortmeldung nie wieder im Forum zu hören. Uns fiel bei der Recherche auf: Zu Beginn, kurz nach der Gründung und in der ersten Wachstumsphase war genau das – die Fähigkeit zu kommunizieren und die Fähigkeit, den Begriff “Transparenz” zu schätzen, einer der Pluspunkte der damals noch zukunftsträchtig erscheinenden Plattform.

Die Stimmen der Übersetzer stellen dem Unternehmen, zu dem es sich verwandelt hatte, ein anderes Zeugnis aus. Ganz am Rande bemerkt wirbt das Unternehmen unverhohlen damit, die US Army zu ihren größten Kunden zu zählen.

Anläßlich der endgültigen Blockade und Verweigerung, Stellung zu beziehen und sich den Fragen zu stellen, können wir – als wn030 – nur in den Chor anderer Medien einstimmen und mitteilen, dass auch wir die Gewöhnung an Lecks als Normalzustand – und das gerade in globalen Vernetzungsstrukturen (mit Übersetzern auf allen Kontinenten) – als durchaus empfehlenswerte Ideengebung betrachten.

Fußnote.

*** Laut Yarons Aussage hat das Unternehmen durch den betroffenen spanischen Übersetzer 50 Tausend verloren (Dollar, amerikanische). Der Spanisch-Übersetzer war über diese Aussage etwas erstaunt, denn er wusste noch, was er übersetzt hatte. Yaron bedauerte also den Verlust eines Kunden, der ihm offensichtlich Aussichten auf 50 Tausend gemacht haben muss. Was davon zu halten war, hätte ihm spätestens da auffallen müssen, als die “Qualitätsmängel” durch den Abnehmer benörgelt wurden, der eine 4fach-Systemtempo-Übersetzung bestellt hatte. Sicherlich – Freelancing ist Freelancing, der Spanisch-Übersetzer hätte diesen Auftrag niemals annehmen dürfen. Inwiefern dies Yaron befreien sollte, ist uns jedoch schleierhaft – er selber war es, der den Auftrag dazu vom Kunden annahm, als Geschäftsführer des Unternehmens. Normen der Übersetzerbranche hätten ihm zu diesem Zeitpunkt bekannt sein müssen. Unter welchen Umständen welche Beanstandungen welches Gewicht haben, auch. Die Beanstandung hatte unter solchen Vorzeichen keine andere Grundlage als die, dass Yaron einen Kunden behalten wollte, der ihn offensichtlich an der Nase herumzuführen versucht hat. Und der Spanisch-Übersetzer sollte dafür bezahlen, indem er seine Arbeitszeit nachträglich dem Unternehmen und dessen sagenhaften wirtschaftlichen Fähigkeiten schenken sollte, ohne gefragt zu werden, ob er das auch will – nein, es gibt AGBs und es gibt eine vertragliche Grundlage, dass zu vergüten ist, was geleistet wurde. Von unangenehmen Verpflichtungen trennen, geht in solchen Fällen normalerweise nicht, es sei denn, die Zusammenarbeit geschieht über eine Plattform und ein Geschäftsführer kommt zum ersten Mal auf den Gedanken, einen Übersetzer-Account mal einfach so zu löschen. An jüngere Leser unserer Plattform, jüngere volljährige Übersetzer, die den Freiberuflerweg einschlagen wollen, können wir nur den Tip geben: wenn ihr so etwas macht, sichert euch ab. Wir erfahren über Proz.com, dass Versuche dieser Art extrem verbreitet sind. Bereitet euch darauf vor,  sorgt etwas vor – regelmäßige Screenshots eurer Benutzerkonten sind in solchen Fällen sehr hilfreich.

http://wp.me/psdI6-MN

9 Responses

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  1. …for the coffee break…

    so, if talking about interesting imports from Israel, we still recommend stuff more like this one:

    .

    pausenraum

    June 13, 2011 at 2:24 am

    • das Video existiert sehr wohl. Aber dann linken wir jetzt eben zu dieser bartlosen Version.

      ohnebart und werhatdenlängeren (bart) (und ist deiner auch gelb?)

      October 27, 2013 at 8:24 am

  2. Die oben beschriebenen Praktiken scheinen jedoch nichts zu sein im Vergleich zu dem Folgenden: – Dies ist ein Link, der uns kürzlich von Übersetzern zugeschickt wurde. “Do not try Geoworkz!” (Lionbridge)

    ProZ-Leser

    June 14, 2011 at 10:42 am

  3. zum satz im beitrag: “OHT versucht, sich an einem Markt zu behaupten, indem es sich mit einem Briefkasten-Fuß in New Yok, mit dem anderen in Israel aufstellt.”

    update: derzeit sind die wieder woanders mit der seite und es gibt euro-beträge. der beitrag oben hat ein datum, das gilt. zur zeit des beitrags war der zitierte satz genau die situation.

    stopmoment. euro...

    July 8, 2011 at 6:21 pm

  4. leser

    December 4, 2012 at 6:53 pm

  5. leser

    December 4, 2012 at 6:55 pm

  6. there is a post above presenting an Israel Import tip – where there are import tips, there should be export tips also. here’s ours. Tim Minchin – Peace Anthem for Palestine (“Why not not eat pigs together?”)

    wn030

    January 24, 2013 at 9:12 am

  7. More information about the company, business strategys and personel management of OHT can be founkd at the forum.onehourtanslation.com

    wn030: hello Justin, thank you for your comment and the hint. It’s “personnel management” if you do not use “human ressources”. “Personnel” with 2 n.

    Back to topic: thank you for the hint, we have seen the forum site and were observing it for a while, it’s one of the pages where we found contact to some of our informants. Nice to see that it’s still online. (Sometimes forums needed for the public seem to vanish for short moments on oher pages, media need to know where to find the “talk place”. Not long ago we observed the direct link to the oDesk forum vanishing from the oDesk main homepage :-] but the oDesk forum also still is online.)

    Justin

    January 31, 2013 at 3:20 pm

    • Obviously the onehourtranslation forum was hacked

      answer from wn030: Do you really think so? Do you really think it was the hacker who clicked on that certain button when the Spanish translator raised his voice?
      One can say a lot about hackers. Some of them are really… really… under-educated, missing some important stuff that you usually get from an uni aside of your courses. Some of them really end up a bit stupid and if they don’t hurry up starting thinking, they might stay so for the rest of their life.
      One can say a lof about them. But: clicking on that kind of button in a forum? The hacker?

      Don’t think so.

      Btw… we were provided with forum screenshots from people when we were working on that OHT topic page. What a certain person from our gang was saying when taking a look at a special screenshot page, was… wow. They have a translator there who seems to be allergic to Eisenberg (Peter Eisenberg, a linguistics prof). Seems to be allergic to him for what ever reason and over-heating seems obviously to totally lose control over his language style and level. Getting as vulgar as you cannot seriously think can be tolerated by any person he would have replied to and by the person he addressed definitely the least. A language style and vulgar tone that really would not convince any concidental client reader (usually clients should have other things to do than scrolling through fora, but they have spare time occasionally…) a vulgar tone, this other, that “new” Spanish translator, that could raise a client’s doubts as to whether people of this language style really would be a good idea for his/her precious project s/he just wanted to send in tomorrow. (Reflecting back at the company and of course at other translators: “…uhm… better not to be officially part of SUCH a team….”)

      And instead of giving the needed 1-week-break to the vulgar person who was allergic to Eisenberg, the “hacker” did what?
      What ever his issue was. Misogyny? Who knows. A Complex that his uni missed Eisenberg? C’mon, usually people are cool about that, not every uni manages to keep their students on track of every current interesting development in their study area. I doubt his issue was a complex. Alcohol? To be honest, that other, “new” Spanish translator sounded a bit like that. The person in our gang just read the screenshot and was thinking: “support, this guy needs a 1-week-forum break. Let him get sober first.”
      And instead of this the “hacker” did what?

      Forum button clicking experts. People should need a licence before they get access to forum admin buttons, seriously. But let’s say, it’s … erm… a cultural diversity issue. OHT bills in dollars, so no wonder that some cultural influences landed in their heads. In the USA, they let 16 years old people drive cars. (And give weapons into the hands of even younger beings…). No wonder that they don’t need a licence before they touch forum administration buttons.

      But of course. It was the “hacker”.

      .

      .

      .

      … But back to something relevant. (Or, at least more relevant than forum admin buttons.) – Just one last question: “Patented” comment fields? May we ask on which planet in this solar system you get a comment field “patented”?

      Justin

      October 10, 2013 at 11:17 am


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