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Archive for March 2012

Sucht hier jemand einen verschollenen Artikel? Verlagsschachzüge, Polizeigewerkschaftsföderalismus und das liebe alte Leid mit Springer – zum verschollenen rassistischen Polizeikalender bei Welt Online und etwas “Journo-Meta”-Feta mittendrin im Wortsalat.

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(wn030) Ja, wir haben wieder einen neuen kleinen Beitrag. Eigentlich haben wir hier Frühjahrspause aus Gründen divers, aber heute machen wir eine unserer selten Ausnahmen.

Also, dann los: vermisst jemand zufällig einen Beitrag auf einer Onlineausgabe eines Springer-Blatts? Ja?

Nun, in diesem Fall kann Ihnen tatsächlich geholfen werden. Wir helfen der momentan etwas desorientierten Welt Online gerne auf die Sprünge und kopieren ihren “vorübergehend erstmal bis auf weiteres äh” nicht sichtbaren Beitrag, wie er am vergangenen Sonntag (dem 4. März 2012) noch auf welt.de zu erklicken war (zumindest nachweislich am 3. März noch, wir vermuten eine Sonntagslöschungsaktion).  Thema: es ist ein weiterer rassistischer Polizeikalender aufgetaucht. Es dürfte davon auszugehen sein, dass auch dieser Kalender seine Wurzeln in südlichen Gefilden D-Lands hat, aber um das endgültig zu klären, ist eine anständige Richtigstellung des “vorübergehend erstmal bis auf weiteres äh” verschollenen welt.de-Beitrags notwendig. Diese lässt jedoch bis dato erstmal auf sich warten.

Hier vorab jedoch ein paar Klickempfehlungen für neu in das Thema Einsteigende. Diese Links werden zum Lesen empfohlen, bevor Sie sich die noch nicht richtiggestellte Springer-Version vom vergangenen Sonntag weiter unten zu Gemüte führen. (Link Nr. 1: publikative.org macht am 2. März auf den Kalender aufmerksam, hier mit Schwerpunkt auf die Berliner Morgenpost, eines der beiden Springerblätter, die parallel mit der unten lesbaren Behauptung das Thema aufgerollt haben. Der Beitrag war zur Zeit der Onlinesetzung noch online, die Links funktionierten. Der Update-Hinweis zur Löschung der Beiträge trägt jedoch leider weder genaues Datum noch Uhrzeit. Link Nr. 2 : Beitrag von Patrick Gensing auf publikative.org vom 4. März, mit Hinweis, dass bisher Schweigen im Blätterwalde herrsche (bezüglich der an diesem Tag noch fehlenden Antworten von Berliner Morgenpost und Welt Online auf die Fragen von publikative.org) (und mit einem kleinen textanleihversalzenen Fetakäsewürfel) und schließlich Link Nr. 3: publikative.org am 6. März – eine Antwort ist dort mittlerweile eingetroffen, klärt aber die Fragen nicht wirklich.)

Nachweis, dass es sich bei der hier unten eingefügten KOPIE des von Welt Online gelöschten Beitrags tatsächlich um die unverfälschte Kopie handelt: hier kommen Links zu den Google-Cache-Ergebnissen – die Cache-Version selber haben die abgestellt, aber die Cache-Suchergebnisse für die Einzelsätze des Beitrags sind noch da, an dieser Stelle werden hier ein paar Screens davon verlinkt. (Update 7.3.2012 15:20: dies ist ganz so penibel nicht mehr nötig, denn soeben ist die Cache-Version des Beitrags bei google wieder sichtbar geworden) (update 11.3.2011: die cache-version ist wieder verschwunden, also verlinken wir hier eine screenshot-kopie dieser cache-version: screen 1, screen 2, screen 3, screen 4)

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And here comes the stuff. Voilá, der verschollene Springerartikel. Warum der bei Welt Online nicht mit entsprechender angemessener Richtigstellung zu erklicken ist, erfragen Sie als hierzu allemal befugter Leser deren Onlineausgabe (sofern Sie den Klick eben geklickt haben, sind Sie das) direkt bei Springers Welt.

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Erneut Hetze gegen Farbige in Polizei-Kalender

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Hat Bayerns Polizei ein Problem mit Fremden? Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ist dort ein rassistischer Kalender aufgetaucht. Herausgeber soll ein SPD-Mann sein.

So zeigt ein Bild etwa einen Schimpansen und zwei ratlose Polizisten. Darunter heißt es: “Er behauptet nicht aus dem Zoo sondern dem Asylantenlager zu stammen.”

Ein weiteres Motiv zeigt einen Farbigen mit Wulstlippen und krausen Haaren, dessen Fingerabdrücke genommen werden: “Bei ihm brauchen wir keine Druckerschwärze. Es reicht, ihm die Finger anzufeuchten”, dichtet der Karikaturist, übrigens selbst Polizeibeamter in Bayern. Ein anderer Farbiger wird von einem Polizisten getreten: “Kommt doch aus nem sicheren Tritt-Staat”, so die witzig gemeinte Begründung.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein ähnlicher Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), der vor allem in Bayern verteilt wurde, für Aufsehen gesorgt. Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hatte daraufhin seine Dienststellen angewiesen, den Kalender nicht mehr aufzuhängen.

Konkret ging es etwa um die Karikatur eines festgenommenen Farbigen mit überzeichneten dicken roten Lippen, der sich gegen den Griff eines Polizeibeamten wehrt und in gebrochenem Deutsch schreit: “Was heiß’ hie’ Ve’dunklungsgefah’….?!”

SPD-Mann soll Kalender veröffentlicht haben

Inzwischen gilt der Kalender als vergriffen. Für die DPloG ist die Angelegenheit – zumindest offiziell – kein Drama: Die Karikaturen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen und dienten lediglich der Entlastung von strapazierten Polizisten, so Gewerkschaftschef Rainer Wendt zu “Welt Online”.

Nach Informationen von “Welt Online” soll der bayerische SPD-Abgeordnete und frühere GdP-Chef Harald Schneider Herausgeber des nun aufgetauchten Kalenders sein. Das ist pikant, denn Schneider hat die Karikaturen der DPloG jüngst scharf verurteilt. (Hierzu vergleiche mit der etwas anders klingenden Aussage: “Ex-GdP-Chef Schneider sagte auf Anfrage von Publikative.org, er habe keine Kalender herausgegeben, in seiner Zeit als GdP-Bayern-Chef von 2005 bis 2010 hätte es überhaupt keine entsprechenden Veröffentlichungen gegeben, auch …“- weiter nach dem Klick. Journometa-Feta: “Auf die Frage, ob Morgenpost und Welt ihn mit den Vorwürfen konfrontiert hätten, versicherte Schneider, es habe keine Anfragen der Zeitungen gegeben.” (siehe dort, selber Link ) (extra Meta-Feta-Würfel: und der Patrick könnte mit den ‘pikanten’ Wortsalatgewürzen etwas aufpassen, der ist anständig gepfeffert, dafür leicht “textanleihversalzen” an der einen Stelle, dem sein Beitrag.)

“In einem heute eingereichten Antrag stellen sich die sozialdemokratischen Mitglieder im Ausschuss für Kommunale Fragen und Innere Sicherheit Helga Schmitt-Bussinger, Inge Aures, Reinhold Perlak und Harald Schneider nicht nur hinter die Linie des Münchner Polizeichefs, sondern verlangen von der Staatsregierung, ebenfalls „dafür zu sorgen, dass der Kalender in allen bayerischen Dienststellen abgehängt wird“.

Darin enthaltene Karikaturen seien “ausländerfeindlich und menschenverachtend”, heißt es in einer Pressemeldung der Partei.

Beide Polizei-Gewerkschaften sind sich seit langem spinnenfeind. Der Rassismus-Skandal um ein paar Kalender mit limitierter Stückzahl könnten den Konflikt zwischen GdP und DPloG nun neu befeuern.

Wie die Polizeipräsidien reagierten

1. Bayerische Polizeipräsidien distanzieren sich von dem in die Kritik geratenen Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Nach München gibt es auch in den meisten anderen Präsidien die Anordnung, den umstrittenen Karikaturen-Kalender nicht mehr aufzuhängen.

2. Polizeipräsidium Oberbayern Nord – „Die Inhalte könnten als problematisch angesehen werden”, sagte ein Sprecher.

3. Polizeipräsidium Niederbayern – Die Kalender dürfen nicht mehr an der Wand hängen. Die zugehörigen Dienststellen seien ebenfalls informiert worden, sagte ein Sprecher. Es liege aber in der Verantwortung der jeweiligen Dienststelle, ob der Kalender bleiben dürfe oder nicht. Die ersten beiden Monatsblätter seien nicht zu beanstanden gewesen, sagte der Sprecher. Erst der jetzt anstehende März habe Missfallen erregt – er zeigt einen festgenommenen Farbigen.

4. Polizeipräsidium Oberfranken – Man sei schon vor rund einem Monat auf den Kalender aufmerksam geworden, sagte ein Sprecher. Kollegen aus Dienststellen hätten das Präsidium darüber informiert. Es gebe zwar keine schriftliche Anordnung, aber einen „Konsens, man möge vermeiden, dass der Kalender in Polizeidienststellen hängt”. Der Kalender sei „nicht mit unseren Leitsätzen zu vereinbaren”. Seit Anfang Februar hänge er deshalb schon nicht mehr an den Wänden.

5. Polizeipräsidium Mittelfranken – Seit einer Woche ist der Kalender nach Angaben einer Sprecherin auf Anordnung aus den Diensträumen verschwunden.

6. Polizeipräsidium Unterfranken – Seit Dienstag ist der Kalender nicht mehr an den Wänden. „Es ist angeordnet worden, sie in den Dienststellen abzunehmen und auch nirgendwo anders wieder aufzuhängen”, sagte ein Sprecher.

7. Polizeipräsidien Schwaben – Auch in den beiden schwäbischen Präsidien ist der Kalender nicht gern gesehen, wie die jeweiligen Sprecher sagten. In Schwaben/Nord hänge er darum nicht mehr an den Wänden. In Schwaben Süd/West sei er aus den Räumen mit Publikumsverkehr entfernt worden

8. Polizeipräsidium Oberbayern Süd – Das Thema werde diskutiert, sagte ein Sprecher. „Wir bemühen uns jetzt um eine bayernweite Abstimmung zwischen allen Präsidien.”

9. Das bayerische Innenministerium – Es hat den Präsidien freigestellt, wie sie in ihrem Zuständigkeitsbereich mit dem Kalender verfahren.

10. Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft – Hat die Kritik an dem Kalender deutlich zurück gewiesen. Er sei nicht rassistisch und auch nicht diskriminierend. „Da steckt nichts dahinter”, sagte der Chef des Landesverbandes, Hermann Benker. Es handle sich lediglich um „Polizistenjargon”.

Eine Beispielgrafik aus dem rassistischen zweiten aufgetauchten Polizeikalender, dessen genaue Herkunft jetzt noch immer geklärt wird

Die Galerie:

https://imgur.com/a/NO3Wv#0

Nebenbei, für den kleinen Fetahunger zwischendurch: der andere Journometafetakäse ist hier. (oh und stimmt, hier auch.)

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zu Welt und Springer ist uns ein gelungener Schlusskommentar am 16.12.2012 ins Haus geflogen :

Ein am 16.12.2012 über twitter gesendeter cartoon

Ein am 16.12.2012 über twitter gesendeter cartoon

quelle

Written by wn030

March 7, 2012 at 1:40 pm

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