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Berliner Polizei meldet verdächtiges Fahrrad und Blume an der Brunnenstraße 183 – seit 20:32h Spontandemonstration mit VoKü (mit UPDATES! von 2010!)

with 99 comments

………jjjjjjjjjjjjjJA!(nuar 2010)

Haben updates! haufenweise. müssen Sie nur klicken für. und zwar hier.

Ein Fahrrad, das einer der Protestierenden zur Aktion vor der kürzlich geräumten Brunnenstraße mitgebracht hatte, wird gründlich untersucht, ob es nicht doch irgendwo ein verwendbares Häkchen hat (zum Beispiel ob der olle Drahtesel irgendwo als gestohlen gemeldet wurde) - das Rad eines der Leute, denen kürzlich das Dach über dem Kopf gestohlen wurde. (Unter etwaiger Beteiligung des einen oder anderen hier sichtbaren Uniformierten.)

Das verdächtige Fahrrad.

foto: urheberrechtlich geschützt. click for details. freigabe für die verwendung eines motivs für indymedia germany ist durch den fotografen  erfolgt.

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[wn030 – Berlin, 3.12.09, 20:15h] Zu einer für die Berliner Polizei offenbar interessanten Uhrzeit (halb 8 Uhr abends) sichteten Einsatzbeamte, Insassen eines in der Nähe der kürzlich geräumten Brunnenstraße wartenden Einsatzwagens eine suspekte Handlung. Passanten (zwei junge Männer mit geschobenem Fahrrad) legten am Eingang der vor wenigen Tagen geräumten Brunnenstraße eine Blume ab, die, wie man sieht, aus der Wand herauswächst. Die Reaktion der  unterbeschäftigt wirkenden uniformierten Gruppierung war das Festhalten der beiden Männer und die Suche nach etwas “Verwertbarem”, das die Wartephase auf Spannenderes verkürzen könnte. Die Suche endete in der Entwendung des schätzungsweise über 20 Jahre alten Fahrrads, das – nach sichtlich mehreren Flohmarkt-Besitzerwechseln und vielen Reparaturen – der Freundin des jungen Mannes gehört. Auf Anfrage seitens eines vor Ort befindlichen Journalisten m/w antwortete ein Polizeibeamter, daß der junge Mann die Handlung mit einem unterwürfigeren Verhalten hätte verhindern können, bewies damit also, daß die Fahrradentwendung nicht sachlich begründet, sondern aus persönlicher Motivation und unter Mißbrauch von Dienstanweisungen geschah. Ebenfalls unter Augen des vor Ort befindlichen Journalisten m/w griff der Beamte den jungen Menschen verbal dafür an, sich auf Englisch mit einem weiteren Passanten zu unterhalten. “Wir sind hier in Deutschland”, herrschte der Beamte den jungen Mann an.

Es darf an dieser Stelle angemerkt werden, dass diese Nachrichten die Sorge um die Ausbildung der Berliner Polizeibeamten-, Angestellten- und Mitarbeiterschaft weiter anwachsen lässt – nicht nur der offensichtliche Mangel an Englischkenntnissen und die bewiesene, zugegebenermaßen für den Beamten peinliche Annahme, die deutsche Sprachkultur könne – in einer Hauptstadt, die sich nach außen als eine Metropole im Zentrum Europas verkauft – als “Leitkultur” begriffen werden, sondern auch die Vorstellung, wie selbiger Polizist einen Touristen der Hauptstadt anfährt, der (sei es ein besuchender Schreiber für die NY Times, sei es ein Besucher aus dem Londoner Unterhaus) in einer nicht gänzlich unbekannten und unbeliebten Straße dieser Metropole nach dem Grund des uniformierten Auflaufs fragt.

Als Reaktion auf diese und weitere Behinderungen (ein weiterer Passant teilt mit, grob körperlich angegriffen worden zu sein) einer für heute Abend angedachten VoKü-Kleinaktion findet daher ab 20:32h gegenüber der Brunnenstraße eine nunmehr kurzfristig angemeldete Spontandemonstration statt. Die für heute geplante VoKü wird  ebenfalls  vor Ort sein (neben der Imbißbude), man bekommt auch etwas zu essen. Um 20:57 heißt es, sie sei unterwegs und käme hier in wenigen Minuten an.

Um 21:20h zeigen die vor der Brunnenstraße positionierten Beamten erneut eine erhöhte Sensibilität gegenüber Gegenständen, die auf der Schwelle zum abgeriegelten ehemaligen Umsonstladen abgelegt werden. Diesmal löst ein Kuscheltier die Unterschreitung der körperlichen Intimsphäre eines Berliner Einwohners durch einen uniformierten Beamten aus. Der Einwohner reagiert mit einer Erläuterung der Rechte und Grenzen von Einsatzbeamten, der Einsatzbeamte erklärt dem vor Ort befindlichen Journalisten m/w die Welt und ihre momentane Situation, wie sie sich in den Augen des Beamten darstellt – der Einwohner, der sich deutlich über körperliche Tätlichkeiten der Berliner Polizei beschwert (und dabei reglos  auf dem Bürgersteig steht) sei in seinen Augen “agressiv”. Nach weiteren Diskussionen lockert sich das polizeiliche Interesse für den Einwohner ansatzweise, jedoch nicht zwingend auch das Interesse für die  ursprüngliche Ursache der Auseinandersetzung, das Kuscheltier. Der Einwohner wird von dem Beamten gefragt, ob er sein Eigentumsrecht an dem “abgelegten Gegenstand” aufgebe. Der Einwohner antwortet, daß er das Kuscheltier nach Beendigung der Spontandemonstration abzuholen gedenkt.

edit wn030: wir erlauben uns an dieser stelle anzumerken, daß polizeiliches interesse für kuscheltiere durchaus kein seltenes phänomen darstellt. siehe hierzu beispielsweise eine sprechende szene des polnischen “kabaret młodych panów”, mit bezug auf den kriegszustand in polen (“stan wojenny”), ausgerufen in der nacht vom 12.-13. dezember 1981. im bild sehen wir einen mit bart “camouflierten” polen, der mit “unerlaubter einseitiger korrespondenz” in den händen (wunschzettel) mitten in die sperrstunde gerät. man beachte das stillschweigend konfiszierte kuscheltier in der letzten sekunde des filmstreifens.) (edit: frühaufsteher, aufgeweckte und zeitnah klickende hatten das glück, jetzt ist das video leider zwischendurch ebenfalls konfisziert. wir beobachten das geschehen und verlinken neu, sobald es wieder  – :]  – verfügbar wird.)

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(update edit januar 2010. “Neue Heimat für die Brunnenstraße 183”)

taz am 8.9.2010 – http://www.taz.de “Schade ist das da drüben”, sagt der Imbisswirt. Von seiner gelben Wurstbude blickt er direkt in die offenen Fensterhöhlen des traurigen Vierstöckers gegenüber – Nummer 183, auf der anderen Seite der Brunnenstraße. Nur Touristen kämen noch vorbei und machten Fotos, sagt der Mann. Sonst passiere da nichts. “Dafür sind jetzt ein paar Leute obdachlos.”

shortlink: http://wp.me/psdI6-C7

http://wp.me/psdI6-C7

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